Über den Umgang mit dem Tod

Menschen werden geboren und sterben. Das ist der natürliche – und einzige – Lauf des Lebens. Die Natur hat das so vorgesehen und es betrifft alle Lebewesen. Sogar Bakterien und Viren sterben. Wenn schon jemand sterben muss, stellen wir uns vor, dass es besser ist, wenn jemand alt und krank ist, wenn wir uns sozusagen darauf vorbereiten können. Wir wissen, dass jeder von uns früher oder später sterben wird.

Aber wie bereitet man sich darauf vor? Indem man einander noch alles sagt und damit rechnet? Das geht nicht. Jetzt ist jemand in meinem Umfeld gestorben. Ihr Tod war zu erwarten, weil sie sehr krank, aber nicht alt war. Ich wusste, dass sie jeden Tag sterben könne (wie wir alle übrigens). Trotzdem trifft mich ihr Tod. Es ist traurig, wenn jemand stirbt. Traurig ist es, weil der Tod eine kulturelle Angelegenheit ist. Ich habe schon von Kulturen gehört, in denen man sich über den Tod eines Menschen freut oder zumindest besser damit umgehen kann. Buddhisten zum Beispiel glauben an die Wiedergeburt und sehen den Tod eher als Ereignis im Lebenskreislauf. Jeder kann an Wiedergeburt glauben oder daran, dass der Verstorbene in einer besseren Welt ist. Das ist völlig in Ordnung. Das Schlimme am Tod eines Menschen ist, dass der Mensch plötzlich nicht mehr da ist und man lernen muss, damit umzugehen. Es ist keinesfalls so, als hätte ich das nie gelernt. Trotzdem kann man nicht auf die „Erfahrung“ zurückgreifen, sondern trauert immer wieder aufs Neue. Je älter wir werden, desto häufiger werden wir damit umgehen müssen, dass Menschen in unserem Umfeld sterben.

Aber was ist mit den Tausenden, Hunderttausenden anderen, die ebenfalls sterben? Was ist mit den Menschen, was ist nur mit den Kindern, die im Krieg sterben, die wir zwar nicht kennen, deren Tod aber für jemanden auf dieser Welt unendlich tragisch ist?

Ich merke, wie ich mir in solchen Situationen wünsche, dass die betreffende Person an einem besseren Ort ist. Aber wie sieht dieser Ort aus? Vorstellungen wie „Licht“ sind mir irgendwie zuwider. Als uns im Religionsunterricht erklärt wurde, Jesus befinde sich im „Licht“, hat mich das sehr enttäuscht. Ich meine, was soll ich mir unter „Licht“ vorstellen? Ist es im Licht immer hell? Und schläft man da nie? Ich weiss nicht. Wir alle können es nicht wissen und werden es allenfalls eines Tages erfahren.

Wie auch immer: Der Tod erinnert uns zumindest immer wieder an die Endlichkeit des Lebens. Und das wiederum sollte uns daran erinnern, dass es sich lohnt, sich das Leben so schön wie möglich zu machen, zu geniessen und den Moment zu leben. Nicht immer in der Zukunft zu leben. Das Hier und Jetzt zu geniessen, ist manchmal eine grosse Herausforderung. Dieser sollten wir uns unbedingt stellen. Denn plötzlich ist es vorbei und man hätte gerne noch dieses oder jenes erledigt.

Ich möchte noch, in Andenken an diese Person, die gestorben ist, eines loswerden: Sie hat fast drei Jahre mit einer transplantierten Lunge gelebt. Die Zeit war zwar nicht einfach (man muss immer Medikamente nehmen und schliesst sich selbst täglich an eine Sauerstoffmaschine an), dennoch hat uns diese Zeit sehr viel Lebensqualität beschert. Denkt darüber nach, ob ihr auch einen Organspenderausweis bei euch tragen wollt.

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