Im Schlechten das Gute sehen

Wir alle machen schlechte Erfahrungen. Wenn wir von vornherein die Wahl hätten, würden wir wohl darauf verzichten. Und während wir gefangen sind in einer Situation, die uns nicht gut tut und aus der wir im Moment keinen Ausweg wissen; z.B. an einem Arbeitsplatz, der uns belastet, in einer Beziehung, die uns runterzieht, wünschten wir uns, entfliehen zu können. Einfach wegfliegen wie ein Vogel, alles hinter sich lassen, die schlechten Einflüsse, die bösen Menschen, die negativen Schwingungen, die belastende Atmosphäre – das würden wir uns wünschen, wenn wir feststecken, nicht weiter wissen, uns in einer Sackgasse befinden. Gleichzeitig wissen wir aber, dass sich die Dinge ändern und verändern. Das Leben besteht in Veränderungen, alles ändert sich: Wir ändern uns, die Sprache wandelt sich, unser Leben verändert sich – ob wir wollen oder nicht. Wie können wir aber aus den schlechten Erfahrungen gute Schlüsse ziehen? Eine Lehre? Wir lernen immer etwas dazu, wir formen unsere Persönlichkeit und ich glaube, dass gerade die schlechten Erfahrungen einen guten und lehrreichen Einfluss auf uns ausüben.

Die letzten Jahre waren für mich ziemlich belastend und schwer. Ich hatte eine Arbeitsstelle mit Personen, die nicht mit mir arbeiten wollten sondern gegen mich. Ich hatte Kollegen, die keine waren. Ich habe dort Erfahrungen gemacht, auf die ich, wenn ich gewusst hätte, was mich erwarten würde, liebend gerne verzichtet hätte. Und doch: Auch diese Erfahrungen – oder gerade diese! – haben gute Seiten. Ich weiss heute, dass ich viel früher auf mein Herz hören muss. Und zwar handelnd! Das heisst: Wenn ich spüre, dass mir etwas entgleitet, sollte ich handeln. Ich sollte nicht mehr warten, bis es brennt und erst dann etwas unternehmen. Nein, ich weiss, dass ich ein gutes Gespür für Menschen habe. Lange Zeit wollte ich es nicht wahrhaben: Man betrügt sich selbst; denkt, der oder die hat dieses oder jenes bestimmt nicht so gemeint. Die Türe vor meiner Nase zuzuschlagen – ist bestimmt nicht so gemeint, wie ich es empfinde. Ich bin nun mal ein Sensibelchen. Ja, ich bin sensibel und spüre, was andere nicht merken oder wovor andere die Augen verschliessen, aber ich weiss heute, dass ich darauf vertrauen kann. Ich bilde mir nichts ein – im Gegenteil, ich weiss, dass ich spüre, wenn mir etwas entgleitet.

Was habe ich noch gelernt? Ich habe Charaktere kennen gelernt, von deren Existenz ich bis dahin nicht einmal etwas geahnt habe – bzw. Charaktere, die ich lediglich auch Büchern und Filmen kannte; aber von denen ich nicht gedacht hätte, dass es sie wirklich gibt. Also im echten Leben. Ich habe gelernt, dass es Neid gibt – und zwar im grossen Stil. Ich habe erfahren, dass Menschen, wenn sie sich (begründet oder unbegründet) bedroht fühlen, die Krallen ausfahren und dir schaden. Manche Menschen sind einfach skrupellos. Sie legen dir Hindernisse in den Weg, reden schlecht über dich, ziehen dich ins Lächerliche, sie versuchen alles, damit alle denken, du seist geistesgestört. Oder verbreiten, dass du nur wegen deines Äusseren so weit gekommen bist. Oder was auch immer sie sich einfallen lassen. Ich bin sicher, dass ihr auch ähnliche Erfahrungen gemacht habt. Nun ja, das habe ich auch gelernt. Es gibt nichts, was es nicht gibt.

Ich würde mich zwar nicht als harmoniesüchtig beschreiben, aber ich glaube an das Gute im Menschen. Das ist ein fester Bestandteil meiner Persönlichkeit. Ich bin von vornherein offen und habe Vertrauen. Wieso misstrauisch sein? Das würde mir persönlich nur schaden. Ich bin für Kollegialität und Freundschaft; dafür, dass man sich das Leben so schön wie möglich gestaltet – sei es das private oder berufliche. Das Leben ist doch viel zu kurz, um sich selbst zu zermürben, um frustriert durch die Weltgeschichte zu gehen, um anderen und damit auch sich selbst zu schaden.

Ich werde nie verstehen, wieso Menschen kontraproduktiv sind. Niemals. Aber ich weiss heute wenigstens, dass es solche Menschen gibt. Bleibt aber lieber fern von mir – denn wenn ich etwas kann, dann ist es: Mich wehren.

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