Let’s get married – oder: Let’s have a wedding ceremony!

Darf man als unverheirateter Mensch eigentlich etwas zum Thema Hochzeit sagen? Vermutlich nicht. Ich mache es jetzt trotzdem. Heiraten ist ja eigentlich was ganz Tolles. Oder sagen wir mal: Wir werden dazu erzogen, dass Heiraten toll ist. Und es geht noch weiter: Wir – Mädchen/ Frauen – werden dazu erzogen, dass eine Hochzeit das i-Tüpfelchen in unserer Lebensbiographie ist. Wenn man erst einmal geheiratet hat – dann, ja was dann? Dann ist das Lebenswerk vollbracht? Dann hat man alles erreicht? Dann wird alles besser? Dann hat man den Leuten gezeigt, dass man etwas wert ist? Dass jemand einen so schätzt, dass er das Leben mit uns verbringen will?

Dass wir nun monogam und bis ans Ende unseres Lebens nur mit einer Person intim sein werden? Ist das gut oder schlecht? Jedenfalls ist eine Hochzeit wohl einer der wichtigsten Biographie-Daten in unserem Leben – und vor allem steht dieses Eckdatum jedem frei, auch jenen, die sonst nicht viel vorzuweisen haben. Manchmal gerade denen. Wie dem auch sei – ich möchte jetzt gar nicht so sehr auf die Ehe als solche eingehen, sondern über die Hochzeit schreiben.

Ich war nämlich vor ein paar Tagen an einer – wie man so gerne sagen würde – Jahrhunderthochzeit. Einfach riesig und spektakulär. 350 Gäste, eine Band, essen und trinken im Übermass vorhanden und gratis, tolle Musik, tolle Stimmung, tolle Leute, ein wunderbares Hochzeitspaar, viele tanzende Gäste, keine Desaster. Alles lief perfekt und total glatt ab. Wunderbar. Als Zuschauerin fand ich das Ganze echt toll. Wie in einem Zirkus (obwohl ich gar kein Fan bin von Zirkussen) – alles perfekt einstudiert, organisiert, bis ans Letzte ist gedacht worden. Alles wurde bedacht, einkalkuliert. Das Fotografieren des Paares mit allen Gästen – nachdem das Hochzeitspaar natürlich davor schon ein Shooting hatte – dauerte gute zwei Stunden. Alle Gäste haben gratuliert und dann mit dem Hochzeitspaar um die Wette gestrahlt. Die herausgeputzten Zähne gezeigt, die teuren Kleider, die manikürten Hände und die frisierten Haare präsentiert. Auf die Zähne gebissen, weil die Füsse wegen der hohen Schuhe schon seit Stunden schmerzten. Egal. The show must go on. Ja, so war es. Es war toll und es war wirklich perfekt. Dass das alles ein Heidengeld gekostet hat, muss ich ja nicht erwähnen.

Und während des ganzen Spektakels habe ich mich immer wieder gefragt: Wozu das Ganze? Klar, mal alle zusammenbringen, die man gerne mag (kann man so viele Leute alle mögen? Oder überhaupt kennen?), das ist super. Aber so viele? Und so ein Tam-Tam? Ich weiss nicht. Ich finde es toll, wenn man sich liebt, aber muss das denn vor so vielen Menschen zelebriert werden?

Letztes Jahr habe ich zufällig einer Trauung am Strand irgendwo in Thailand beigewohnt. Oder besser gesagt: Ich war Hotelgast und habe gebadet und ein Paar hat sich getraut. Zu zweit. Fertig. Die beiden waren nur zu zweit – ohne Trauzeugen. Ich weiss auch gar nicht, ob das dann rechtlich anerkannt wird, aber wen kümmert das? Ich fand das toll. Die Braut hatte keine hochhackigen Schuhe an, sondern das Hochzeitspaar war barfuss am Strand. Dann wurden noch ein paar Fotos am Sonnenuntergang gemacht, die beiden hatten ein romantisches Dinner am Strand und das war’s dann. Ich fand das toll. Ich meine, wenn man sich liebt, dann genügt es doch irgendwie, wenn man sich das gegenseitig zeigt, oder nicht? Ich finde schon. Dieses Zelebrieren und Zeigen – diese ständigen Selfies und Ferienfotos auf Facebook und Co. – macht das das Leben lebenswerter? Sind die Ferien schöner, wenn ich die ganze Facebook-Gemeinde damit belästige? Liebe ich meinen Partner mehr, wenn ich vor ein paar Hundert Leuten „ja“ sage als nur ihm und vor ihm? Klar, das ist jedem selbst überlassen und es gibt so viele Frauen, die von einer traumhaftschönen riesigen Hochzeit träumen. Das finde ich auch in Ordnung. Jedem das Seine. Aber ob das dann wirklich das Wahre ist? Ich weiss nicht…

Liebe braucht doch keine Zuschauer…

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Ein Gedanke zu “Let’s get married – oder: Let’s have a wedding ceremony!

  1. stefanini schreibt:

    Erinnert mich an meinen Beitrag vor ein paar Tagen, der durch die Aktion einer Freundin und ihres jetzt-Mannes inspiriert wurde.

    Nein, Liebe braucht keine Zuschauer. 350 Leute. Krass. Andererseits: In anderen Kulturen als der westlichen ist eine solche Zahl ja durchaus üblich.

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