Ich verabschiede mich

Heute ist ein wichtiger Tag für mich: Ich habe heute etwas zu Ende gebracht, wovon ich schon seit Monaten oder besser gesagt seit mindestens einem Jahr träume. Wir wissen genau, was uns gut tut und was uns schadet, doch haben wir den Mut nicht, die Dinge zu beenden. Wir klammern uns an etwas fest und hoffen, dass sich die Dinge ändern – mit Gottes Segen oder einfach nur durch ein Wunder. Wir beissen uns fest, weil wir ganz genau wissen, dass wir feststecken und keinen Ausweg sehen. Es fühlt sich an, als ob man im Moor stünde und immer weitersinken würde, als ob niemand da wäre, der uns herausziehen würde, als ob sich die Welt gegen uns verschworen hätte, um uns scheitern zu sehen. Und sich dabei zu amüsieren.

Gleichzeitig wissen wir, dass dem nicht so ist: Es ist immer jemand da, der uns hochzieht, der uns hilft, uns unterstützt, der uns vielleicht nicht den richtigen Weg weisen kann – den müssen wir schon selbst finden –, der uns aber wenigstens die Richtung deuten kann. Ich habe so lange geglaubt, dass ich mich in einer Sackgasse befinde. Und genauso habe ich mich gefühlt. Als ob mich alle guten Geister verlassen hätten, als ob die ganze Welt gegen mich sei, als ob die Sackgasse keinen Ausweg hätte. Ich habe viel später verstanden, dass ich nicht in einer Sackgasse war sondern an einer Kreuzung.

Ich habe viel Unterstützung von meinen Liebsten erfahren. Sie waren für mich da, haben mich, wenn es nötig war, auch mal gestossen, gezogen, mich herausgehievt. Sie waren da, haben sich meine Sorgen angehört, meine Wiederholungen, meine Zweifel und meine Selbstzweifel, meine Unsicherheit – und meine Trauer. Sie haben mir zugehört, geholfen, den Weg zu finden, in mich hinein zu horchen, auf mein Innerstes zu hören – auf meine innere Stimme. Sie waren da, auch wenn ich sie vielleicht genervt habe. Sie gingen mit mir Wege, die ich alleine vermutlich nicht hätte gehen können, haben über meine Erfolge gejubelt, wie nicht einmal ich hatte jubeln können; sie haben mich motiviert, auch holprige und steinige Wege zu gehen, weil sie wussten, dass ich nur dadurch wieder den richtigen Pfad finden würde.

Heute schliesse ich ab. Ich schliesse ab mit einem Lebensabschnitt, der mich geprägt und gestärkt hat; den ich aber – wenn ich die Wahl gehabt hätte oder hellsichtig gewesen wäre – lieber nicht gegangen wäre. Und doch bin ich ihn gegangen, obwohl ich nicht wusste, wie ich plötzlich auf diesen Weg eingebogen war. Es war, als wäre ich im Dunkeln in einem fremden Land an einem fremden Ort ausgesetzt worden. Es war, als ob ich an diesem fremden Ort in der Dunkelheit meine Hände nicht vor dem Gesicht hätte sehen können, als ob die Sterne nicht geschienen hätten, wie wenn man mich in einen Verlies gesperrt und mir befohlen hätte, dahin zu vegetieren. Ich war an einem fremden Ort mit fremden Gestalten und heute habe ich diesen bösen Ort verlassen. Ich bin heute nach langer Zeit den allerletzten Abschnitt gegangen. Ich verabschiede mich von euch – von euch sogenannten Weggefährten („Arbeitskollegen“), die ihr mir mein Leben schwer gemacht habt. Ich verabschiede mich von euch und diesem Ort und ich versöhne mich mit euch – und das tue ich nur für mich. Und ich gehe erhobenen Hauptes.

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Ein Gedanke zu “Ich verabschiede mich

  1. Mi-Hu schreibt:

    Beherzigung

    Ach was soll der Mensch verlangen?
    Ist es besser ruhig bleiben?
    Klammernd fest sich anzuhangen?
    Ist es besser sich zu treiben?
    Soll er sich ein Häuschen bauen?
    Soll er unter Zelten leben?
    Soll er auf die Felsen trauen?
    Selbst die festen Felsen beben.
    Eines schickt sich nicht für alle!
    Sehe jeder wie er’s treibe,
    Sehe jeder wo er bleibe,
    Und wer steht, daß er nicht falle.

    J-W. g

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