Dublin – here I am

Liebe Leser

Ich befinde mich gerade in Dublin, wo ich den nächsten Monat verbringen werde. Ich werde euch auf dem Laufenden halten und meine Gedanken von hier kanalisieren und notieren. Auf Dublin habe ich mich mit dem Buch „Lesereise Dublin. Die blaue Tür mit der Nummer sieben.“ von Ralf Sotscheck eingestimmt. Darin ist zum Beispiel zu lesen, dass die Autorin von „PS. Ich liebe Dich“, deren Namen ich schon wieder vergessen habe, Dublinerin ist. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber den Film gesehen. Ich glaube daher nicht, dass ich mir ein Buch von ihr kaufen werde. Ausserdem ist zu lesen, dass Guiness, der bekannteste irische Bierhersteller, das Fabrikgelände, das sich im Zentrum der Stadt befinden soll, damals für 9000 (sic!) Jahre für knapp 50 Pfund gemietet hat. Ein schlauer Typ war das, dieser Guiness. Ich hasse Bier, aber ich werde mich wohl zu einem Pint hinreissen lassen. Ausserdem soll das Brazen Head in der Bridge Street die älteste Kneipe Irlands oder sogar Europas sein. Dort seien schon vor achthundert Jahren Getränke ausgeschenkt worden. Na, wenn das alles nicht viel Feiern und gute Laune verspricht!

Es ist ja immer so eine Sache, wenn man irgendwo über längere Zeit sozusagen wohnt. Vor zwei Jahren war ich fünf Wochen in Jordanien. Leider hatte ich damals noch keinen Blog. Jordanien war trotz allem – also, obwohl ich davor viele Menschen aus dem Nahen Osten kennen gelernt hatte, obwohl ich das eine oder andere Mal schon im Ausland und auch in einem arabischen Land gewesen war und obwohl ich versucht hatte, möglichst mit den Gegebenheiten dort im Voraus schon zurecht zu kommen – in gewisser Hinsicht ein Schock. Was mich dort bedrückte, war die Tatsache, dass in einer völlig anderen Kategorie gedacht wird. An erster Stelle geht es immer um das Geschlecht. Die Geschlechtszugehörigkeit ist omnipräsent – sei es in einem Café, im Bus oder wo auch immer: i.d.R. gibt es getrennte Bereiche für Familien/ gemischte Gruppen – und für Frauen alleine. Man IST immer zuerst Mann oder Frau. Erst in zweiter Linie ist man etwas Anderes: AusländerIn, StudentIn, EuropäerIn, AkademikerIn oder was auch immer. Und dann ist Syrien so nahe und ich wusste, dass die Flüchtlingslager überfüllt waren. Heute ist das vermutlich nicht anders. Der Krieg war so nahe und man hat ihn dennoch nicht gespürt. Auch die Nachrichten sind andere. Es wird hauptsächlich über arabische Länder berichtet. So gab es damals einen Aufstand in Saudi-Arabien, weil einige Frauen es gewagt hatten, sich dafür einzusetzen, dass auch Frauen den Führerschein machen und alleine Auto fahren dürfen. Genervt hat mich das ständige Hupen der Autos auf den mehrspurigen Strassen – die Fahrer hupen ständig und völlig grundlos. Zebrastreifen kann man übrigens vergebens suchen: Ich glaube, ich habe nur im Souq (also im Markt-Quartier) einige Zebrastreifen gesehen. Ansonsten lernt man, sich waghalsig und lebensmüde auf die mehrspurigen Strassen zu begeben, um die Strasse zu überqueren. Ich sehne mich oft nach dem einfach eingerichteten Restaurant „Al Quds“ (arabisch für Jerusalem) im Souq zurück. Ich glaube, dass man dort das weltbeste Baba Ghanoush bekommt. Schön war Jordanien trotz aller Unterschiede (oder gerade deswegen?). Die traumhafte Natur (Petra, Wadi Rum, Wadi Mujib etc.) hat ihres dazu beigetragen.

In Sibirien, wo ich im Jahr 2008 längere Zeit verbrachte, war das nicht so. Was dort schrecklich war, war der Hunger. Ich hatte immer Hunger. Ich konnte, obwohl ich nicht so heikel bin, kaum etwas vom Frühstück in der Studentenkantine runterwürgen, es gab in Irkutsk damals trotz der halben Million Einwohner nur eine Handvoll Restaurants und die waren für mein Studentenbudget auch noch ziemlich teuer, d.h. sie waren eigentlich nur für Ausländer gedacht. Ich erinnere mich, wie ich von Moskau mit der Sibirien Airlines nach Irkutsk geflogen bin. Ich glaube, es war das erste und bisher einzige Mal, dass ich ernsthafte Bedenken hatte, heil am Ziel anzukommen. Ausserdem fand ich das Essen im Flugzeug noch schrecklicher als sonst. Auf dem Rückflug hingegen hatte ich weder Angst noch eine Abneigung gegen das Essen – es war das erste Mal, dass ich meinen Bauch wieder vollschlagen konnte. In Irkutsk hatte ich auch ständig kalt – obwohl ich im Juli dort war. Es regnete ständig und war wirklich kühl. Das alles hinderte die Frauen in dieser so weit von Moskau entfernten Provinz aber nicht, sich wie die Moskoviterinnen anzuziehen: Hübsch und immer mit High-Heels, obwohl die Strassen dort alles andere als einladend dazu waren. Schön war es trotzt es Hungers und der Kälte.

In Sevilla war ich am längsten. Das war im Jahr 2005. Meine Erinnerungen an diese Zeit sind vor allem diese: Ich habe erstens ungefähr 8 Kilogramm zugenommen, weil ich immer auswärts gegessen habe. Ausserdem war ich dort ziemlich einsam, denn die Studenten in der Sprachschule wechselten häufig und es war mühsam, sich immer wieder mit neuen Leuten anzufreunden. Zudem war ich immer in einer kleinen Klasse und hatte keine grosse Auswahl. Mein Budget damals war auch ziemlich eingeschränkt, sodass ich bei einem Ausflug nach Granada in einem schrecklichen Hostel für 10 Euro pro Nacht übernachten musste. Es war so dreckig, dass ich heute gar nicht mehr weiss, wie ich die Nacht hinter mich gebracht habe. Das Kissen ekelte mich dermassen, dass ich mein verschwitztes T-Shirt darauflegen musste, um schlafen zu können. Aber schön war es trotzdem.

Jetzt bin ich in Dublin. Ich bin gespannt, welche Erinnerungen mich in einen Jahren begleiten werden. Vielleicht werde ich mich daran erinnern, dass Irland heute die Homo-Ehe per Referendum eingeführt hat? Wir werden sehen und ich werde euch davon berichten…

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