Erste Woche Dublin

Ich bin nun seit einer Woche in Dublin. Immerhin haben sich schon einige Klischees als falsch (und manchmal auch richtig) herausgestellt.
Erstens: Es regnet nicht ständig in Irland. Aber täglich. Nur eben in der Regel kurz.
Zweitens: Der Wind, den ich erwartet hatte, ist noch kälter als gedacht. Und es windet ständig.
Drittens: Die Iren tragen tatsächlich sehr oft blonde/rote Bärte. Ich weiss nicht, ob es eine Modeerscheinung ist oder ob ihnen der Bart Wärme spenden soll. Vermutlich letzteres. An ihrer Stelle würde ich es genauso tun.
Viertens: Das Essensangebot ist viel besser als erwartet! Es gibt zahlreiche Restaurants aus aller Welt und selbst die eigene, irische Küche ist köstlich! Das verspricht mir das eine oder andere Kilo mehr auf der Wage, wenn ich zurückkehre.

Mein Schockerlebnis bisher: Ich war in einem Spinning-Kurs (Cycling). Ich weiss irgendwie gar nicht, wo ich anfangen soll. Der Raum war völlig abgedunkelt. Einzige Lichtspender waren einige farbige Lichter. Ich hatte das Gefühl, in einem Nachtklub zu sein. Dann kam der Instruktor – ohne sich vorzustellen oder uns zu begrüssen setzte er sich auf sein Fahrrad und strampelte und schrie darauf los. Die folgenden 45 Minuten bestanden hauptsächlich aus seinem Brüllen – er versuchte uns zu motivieren, indem er wegen seines Geschreis und seiner Boxkampfbewegungen (auf dem Boden) schwitzte wie ein Verrückter. Mich hat das nicht motiviert – im Gegenteil; mich hat es sogar etwas gefürchtet.

Und die Menschen? Die Iren finde ich wirklich sehr nett. Ein total liebes Volk. Die Menschen sind hilfsbereit und offen; nie hat man das Gefühl, abgezockt ober über den Tisch gezogen zu werden. Ich kann nicht wirklich etwas über den Alkoholkonsum der Iren sagen (nur über meinen und meiner ist ziemlich gestiegen, seitdem ich hier bin). Was ich weiss, ist lediglich: Erstens ist Guiness ein bisschen so etwas wie Linth, Nespresso oder Swatch für die Schweizer (übrigens die letzten beiden sind in Form eines Shops in der berühmtesten Einkaufsstrasse, der sog. Grafton Street, anzutreffen). Ich sehe zwar, dass die Pubs immer voll sind und immer alle Bier trinken, aber ob das etwas über die Einheimischen (oder viel eher über die Touristen) aussagt, weiss ich nicht. Die Menschen sind alles in allem echt toll. Nur die zahlreichen Obdachlosen, unter denen viele Junge zu sehen sind, geben mir etwas zu denken.

Oh, und die Pubs! Die sind einfach super! Ich hätte nie gedacht, dass ich Pubs cool finden würde – aber sie sind echt gesellig! Die Stimmung ist immer super, die Leute sind gut gelaunt und man kann sicher sein, dass man einen tollen Abend in so einem irischen Pub verbringen wird. Sehr empfehlenswert! Falls man auch noch hungrig wird, kann man den Hunger mit einem Riesenburger oder einem feinen Salat mit Honig-Senf-Dressing stillen.

Alles in allem: Es ist toll. Das Erschreckende ist lediglich, dass ich täglich etwas sehe, erlebe oder empfinde, wodurch ist dieses Land noch besser finde!

Was muss ich auch noch unbedingt loswerden?

Erstens: Irisch ist eine total seltsam klingende – und vor allem in ihrem Schriftbild völlig schräge – Sprache. Zum Beispiel spricht man „Dún Laoghaire“ als „Dun Liery“ aus. Versucht mal etwas zu schreiben, was ihr auf Irisch hört! Unmöglich! Das gilt selbstverständlich auch für Vor- und Nachnamen. Die Leute haben teilweise ganz irritierend geschriebene Namen. Oft kann man sich dann weder die Schreibweise noch die Aussprache merken, weil das eine mit dem anderen gar nichts zu tun hat. Irisch ist eine keltisch-gälische Sprache und hört sich für unsere Ohren wie Kauderwelsch an. Das Zuhören macht eigentlich noch Spass. Irritierender ist das Schriftbild. Denn seit einigen Jahren ist Irisch die erste Amtssprache. Dies führt dazu, dass immer alles zuerst auf Irisch angeschrieben ist und erst dann in Englisch.

Zweitens: Das Trinity College ist die älteste Universität in Irland und wurde – sage und schreibe ! – im Jahre 1592 gegründet. Nur zum Vergleich: Die Universität Belgrad wurde erst 1808 und die Universität Zürich 1833 gegründet. Mit anderen Worten: Während Zürich noch mit Zwinglis Reformationsbemühungen kämpfte und sie schliesslich annahm und als Serbien gerade für die nächsten 500 Jahre unter das osmanische Joch gezwungen wurde, wurde in Dublin studiert. Im Gegenzug dazu kämpften die Iren noch bis 1998 um die protestantisch-katholische Gretchenfrage.

Drittens: Der Akzent der Iren ist gar nicht so schrecklich, wie ich dachte! Klar sprechen sie ihre eigene Varietät des Englischen, aber ehrlich gesagt ist ihre Varietät ziemlich entzückend!

Und last but noch least: Verzeiht mir mein Deutsch. Ich habe seit einer Woche weder Deutsch gesprochen noch etwas in deutscher Sprache gelesen.

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Powerscourt Estate Garden

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Powerscourt Estate Garden

Glendalough

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Glendalough

Trinity College Dubin

Glendalough

Trinity College

Dublin Trinity College; Gledelough

Trinity College

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Ein Gedanke zu “Erste Woche Dublin

  1. Stefan schreibt:

    Wubderschön hast du es geschrieben ! Du solltest Reiseführer schreiben 🙂 vor allem hast du in mir den Wunsch Irland zu besuchen geweckt als du über die bärtigen Iren geschrieben hast 🙂
    Wir wünschen dir eine tolle 2. Woche und visit a Lot of Pubs – die sind einzigartig !

    Gefällt mir

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