Irland verzaubert

Ganz ehrlich: Wäre das Wetter nicht (schrecklich, miserabel, nicht nach meinem Gusto; wechselhaft, viel zu kalt und viel zu nass), wäre Irland perfekt. Na ja, fast perfekt. Also fast wie zuhause.
Es gibt so viel Schönes zu sehen, aber auch hier gilt, was woanders gilt: Bei Sonnenschein ist alles schöner. Was bringt es mir, wenn ich an einen traumhaften Ort reise und es regnet und windet ständig? Nicht, dass dies nie vorgekommen wäre (leider und auch nicht nur hier, sondern auch schon in Kontinentaleuropa oder Amerika). Jetzt denkt ihr bestimmt: Hör doch auf, dich zu beschweren! Du verbringst dort Zeit, bist weg von zuhause, musst nicht kochen (ich vermisse das Kochen), musst nicht putzen (ich vermisse das Putzen nicht), musst nicht einmal das Bett machen (das ist das Beste an der ganzen Geschichte; leider muss ich meine Kleider selbst waschen). Und hiermit höre ich auf, mich zu beschweren.

Was mich diese Woche beschäftig hat? Einige Themen. Erstens: Mein Gott, wie schnell die Zeit rennt. Zweitens: Immer noch die Obdachlosen. Drittens: Immer noch die Bärtigen.

Zur Zeit: Ich bin jetzt zwei Wochen hier und die Zeit ist furchtbar schnell vorbeigegangen. Ich habe auch ständig das Gefühl, dass ich gar nie richtig Zeit habe. Jetzt ist schon fast die Hälfte vorbei und ich fühle mich etwas unter Druck, weil ich glaube, dass ich meine Reisepläne wegen des Wetters nicht richtig verwirklichen können werde. Ich bete, dass es – wenn es darauf ankommt – schön ist. Früher sagten die älteren Leute, die Zeit vergehe schneller, wenn man älter sei. Ich würde dem heute zustimmen. Ich weiss allerdings nicht, ob die Zeit jemals so schnell vorbeigegangen ist. Ich war allerdings auch nie so alt wie heute. Nein, im Ernst jetzt: Ich erlebe hier gerade eine Zeit in meinem Leben, die ich nicht nur niemals vergessen werde, sondern die bisher auch zu den schönsten zwei Wochen in meinem Leben zählt. Ich weiss auch nicht, es ist dieses Gefühl. Ich kann es gar nicht beschreiben. Vermutlich hat es auch mit meiner persönlichen Lebenssituation zu tun; aber vielleicht liegt es auch einfach daran, dass es hier so unbeschreiblich schön ist. Oder an der Luft – oder warum könnte ich hier ständig essen? Wie gesagt: Zum Glück ist das Wetter schrecklich, sonst würde ich mich hier glatt niederlassen. So ein Gefühl hatte ich noch nie. Ich bin hier so im Frieden mit mir selbst und der Welt, dass es mir schon fast unheimlich vorkommt.

Apropos unheimlich! Irland ist das Land der Mythen, Märchen, Feen und Kobolde! Mal im Ernst: Wo sonst gibt es ein Koboldmuseum? Genau – nur in Dublin – und genau da war ich heute. Man geht hin, kauft sich das Ticket und nimmt dann – natürlich mit zahlreichen Familien und Kindern (aber die können ja auch nichts dafür, dass ich mich für Kinderthemen interessiere und mich mythisch-märchenhafte Welten anziehen) – an einer Führung teil. Dann wird man praktisch für eine Stunde in eine mythische Unter- und abwechslungsweise Oberwelt entführt; lernt Kobolde kennen und lernt das eine oder andere über Feen. Es wurde auch einiges richtiggestellt, und zwar, dass Kobolde eigentlich gar nicht grün angezogen sind/ waren, sondern dass sich das mit der Zeit entwickelt hat. Und zwar so: Als um 1800 viele Iren in die Vereinigten Staaten auswanderten, erzählte sie ihren Kindern immer vom Grün Irlands und von den Kobolden. Und mit der Zeit verband sich dann eben das eine mit dem andern. Zudem kam Walt Disney, der übrigens einen adeligen irischen Namen trug, nach Irland, um nach seinen Wurzeln zu forschen. Danach produzierte er 1959 den Film „Das Geheimnis der verwunschenen Höhle“ (Originaltitel: Darby O’Gill and the Little People), wo der Koboldkönig zufälligerweise grün angezogen war. So ergab es sich, dass Kobolde heute – zumindest in unserer Vorstellung – grün angezogen sind.
Und was ich auch besonders interessant fand: Kobolde wurden bereits im 8. Jahrhundert – das muss man sich mal vorstellen ! – schriftlich erwähnt! Und damals gab es sogar auch Koboldinnen! Die sind heute irgendwie verschwunden… Die Originalschrift davon liegt natürlich in der Trinity-Bibliothek.

Zu den Obdachlosen: Ich sage nichts darüber. Ich habe einfach keine Ahnung und weiss nicht, ob es fair ist, wenn ich über sie schreibe. Ich kann lediglich beschreiben, was ich sehe. Ich sehe sehr viele junge Leute, die vermutlich mit etwas zugedröhnt sind und mit einem Becher in der Hand oft an einem schrecklich ungemütlichen Ort wie einer Brücke (man vergesse nicht, dass es hier immer und überall schrecklich kalt windet). Und dieser Anblick erfüllt mich mit Trauer und Mitleid. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Zu den Bärten: Wisst ihr, was mich nervt? Dass Männer mit Bart ständig mit ihrem Bart spielen müssen. Entweder suchen sie etwas dort drin (so sieht es zumindest aus), sie binden ihn zu einem ziegenbartähnlichen Etwas zusammen oder sie streichen sich die Barthaare ständig von den Lippen weg. Mag sein, dass es auch mal sexy aussehen kann – sagen wir mal, auf einem Foto und nicht, wenn ich gegenüber sitze –, aber wieso hier so viele Männer Bärte tragen, ist mir abgesehen von der Spekulation mit dem Wetter/ Wind noch immer ein Rätsel. Lassen wir es dabei.

Es gibt noch so viel Neues! Und dazu möchte ich eigentlich nicht viel sagen, sondern euch einladen, die Fotos anzuschauen. Vielleicht habt ihr den langen Text ohnehin schon übersprungen. Würde mich nicht wundern. Ich lese schliesslich auch keine Reiseberichte und wenn, dann wirklich sehr selten. Aber wenn ihr mal Lust auf einen richtig coolen Reisebericht habt, der etwas älter ist als wir alle (genauer aus dem Jahre 1350/70), dann empfehle ich die Reisen von John de Mandeville. (Ja, ich habe das Buch gelesen.)

Trinity College:

P1020865

Trinity College Dublin

Trinity College

Trinity College

Dublins Brücken:

Half Penny Bridge Dublin

Dublin

Dublin Castle:

Dublin Castle

Dublin Castle

Irish Breakfast (gar nicht mal so übel):

Irish Breakfast

Malahide Castle:

Malahide Castle

Castle Malahide

Castle Malahide

Castle Malahide

Castle Malahide

Wicklow (bei schrecklichem Unwetter):

Glendalough

Dun Laoghaire:

Dun Laoghaire

Dun Laoghaire

Dun Laoghaire

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