Erinnerungen an Lieder. Und Liedererinnerungen.

Wie schafft es bloss ein einziger Mensch, ein mir fremder Mann, jemand, dem ich noch nie persönlich begegnet bin und der mir doch näher ist als viele andere, mich so sehr zu berühren? Mein Herz zu berühren? Mich inmitten tausender Menschen zu Tränen zu rühren?  Xavier Naidoo. Man liebt ihn oder hasst ihn. Das soll jetzt nicht wie eine Liebeserklärung tönen. Mit seinen schönsten Liedern verbinde ich die wichtigsten Erlebnisse meines Lebens. Traurige wie glückliche, gemeinsame wie elend einsame. Mit seinen Liedern habe ich geweint und gelacht, geliebt und getrauert. Seine Lieder begleiten mich mein halbes Leben schon und davor war ich ohnehin ein Kind. Seine Texte berühren mich. Ich weiss auch warum: Weil sie so viel Spielraum für eigene Interpretationen offenlassen, dass jeder jedem Lied seine ganz persönliche, subjektive Bedeutung zumessen kann. Wenn ich „Abschied nehmen“ höre und weine, so tue ich das, weil es eine ganz bestimmte Bedeutung für mich hat. Das Schöne aber sind nicht nur die Erinnerungen, die diese Lieder hervorrufen. Schön ist, dass jedes dieser Lieder in neuen Lebensphasen auch eine wieder neue Bedeutung bekommen kann. Ein solch wandelbares Lied ist „Dieser Weg“. Dieses Lied ist irgendwie immer aktuell – weil wir immer einen Weg gehen, der eben auch steinig ist. Selten gehen wir geradeaus. Zum Glück. Geradeaus zu gehen, wäre ein langweiliges Leben. Und ich bin im Moment gerade davon besessen, Umwege zu gehen.

Eine ganz besondere Bedeutung hat für mich auch „Vielleicht“:
Für den einen ist es ein Lied über den Glauben, über Religion, über die Gesellschaft, Menschen, die wir lieben und Menschen, die wir nicht verstehen. Über Suizid. Über Reue. Für mich ist es das Lied über Menschen an sich – es hilft mir, zu verstehen, weshalb Menschen tun, was sie tun. Es hilft mir, zu akzeptieren, dass wir irren. Ich komme gerade von seinem Konzert nach Hause. Das Lied, das er nicht gespielt hat und das ich vermisse, ist „Abschied nehmen“:
Es ist wohl das Lied überhaupt, das man hört, wenn man um jemanden trauert. Aber es ist noch so viel mehr. Und das liebe ich an diesem Lied. Genauso schön finde ich aber „Ich kann nicht weinen“:
Es geht um Gefühle, die wir nicht empfinden, über Gefühle, von denen wir glauben, sie empfinden zu müssen, aber nicht können. Musik kann so viel – Musik kann etwas in uns hervorrufen, sie kann uns erheitern und uns helfen, zu weinen. Musik hilft uns, Dinge in unerem Leben zu verarbeiten, uns selbst näher zu kommen. Lieder sind Erinnerungen an unser Leben – schöne wie traurige Ereignisse – und Erinnerungen an Lieder, mit denen wir etwas Besonderes verbinden Gute Nacht, liebe Leser.

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