Die Qual der Wahl: Warum wir uns nicht für einen Partner entscheiden können

Um es vorweg zu nehmen: Es stimmt nicht, dass wir uns nicht für einen Partner entscheiden können. Wir können uns wohl entscheiden – zumindest für einen bestimmten Lebensabschnitt. Aber bis es so weit ist, haben wir uns schon tausend Mal nicht für jemanden entscheiden können – er trägt (k)eine Brille, ist zu klein geraten oder ist überfordert, wenn ich mit ihm ethische Fragestellungen, die mich beschäftigen, diskutieren will. Oder aber er langweilt uns lang und breit mit seiner letzten Kuba-Geschäftsreise, mit Details, die zwar eigentlich total spannend wären (ich liebe fremde Länder), aber irgendetwas an ihm sagt uns: Bloss weg! Es ist auch gut möglich, dass er vermeintlich perfekt ist: gutaussehend, intelligent, normal erfolgreich (nicht diese Super-Workaholics, die während eines Jahres in fünfzig verschiedenen Städten in zweihundert verschiedenen Hotels übernachten und stolz auf ihre Flugmeilen sind). Und doch: Etwas stimmt nicht. Immer stimmt etwas nicht.

Und dann diese Situation: Wir sind auf eine nette Party bei Freunden eingeladen, verstehen uns blendend mit einem Typen, der durchschnittlich aussieht und der das Pulver seines Jobs schon mit drei Sätzen verspielt hat, was bedeutet, dass wir, weil wir seinen Job nicht besonders spannend finden, auch ihm schnell unterstellen, unaufregend zu sein. Übrigens neige ich neben der politischen Einstellung, die essentiell ist, schnell dazu, Menschen wegen ihres Berufes zu stereotypisieren: Lehrer – langweilig/ ambitionslos/ möglicherweise nicht besonders intelligent; Anwalt – ui, pass bloss auf bei dem; der hat in der Schule nie ein Mädchen abgekriegt und denkt jetzt, er könne es wettmachen, weil er so einen tollen Job hat/ möglicherweise auch nicht besonders schlau, oder hat er Anna Karenina verstanden?; Arzt dito usw. Trotzdem verstehen wir uns gut mit ihm, reden, stellen fest, dass er auch unbedingt mal Russisch lernen will (match!), dass er auch unbedingt mal Sri Lanka bereisen will (match!) und dass er die gleiche Partei für unmöglich hält wie ich auch (mega-match!). Gut, er sieht jetzt nicht gerade einem Mister Universum zum Verwechseln ähnlich, aber eigentlich ist er auch kein Gruseltyp. Wir fragen nicht (haben wir Angst?), ob er vergeben ist. Wir schaffen es nicht – obwohl es uns unsere Freunde immer wieder einzubläuen versuchen – auf seine Hände bzw. allenfalls vorhandene Ehe-/Verlobungsringe zu achten. Ob wir mit ihm ins Bett gehen könnten, also eines Tages – das schiesst uns durch den Kopf. Tja, wir verabschieden uns. War total nett, dich kennen gelernt und mit dir geplaudert zu haben. Ja, hat mich auch total gefreut, man sieht sich bestimmt wieder. Er fragt nicht, ich frage nicht. Und wir sehen uns nie wieder.

Ich habe mich wieder nicht entscheiden können. Finde, wenn er interessiert gewesen wäre, hätte er bestimmt gefragt. Mein Interesse hielt sich in Grenzen und die Sache geht mir dann trotzdem nach. Und ärgert mich. Versuche, ihn im Internet zu finden, verlaufen erfolglos. Ist auch fraglich, ob ich dann aktiv geworden wäre. Die Freunde fragen – das ginge nun doch zu weit. Passé.

Und so vergeht die Zeit, trotz Stadt und tausenden und abertausenden von Singles. Wir warten, wollen oder können uns nicht entscheiden, glauben, etwas Besseres kommt schon noch. Wer will sich schon unter dem Preis verkaufen? Nein, danke. (Wie eingebildet!)

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