Ein perfektes Leben. Eine perfekte Beziehung.

In Beziehungen wird man ungefragt und unfreiwillig „hineingezogen“. Man bekommt einen Einblick aufgeschwatzt, ist sozusagen gezwungen, Beziehungen von aussen zu beurteilen. Ich glaube, dass Beziehungen so verschieden sind wie die Menschen auch.

Kürzlich sprach ich mit einer Bekannten. Sie ist ungefähr in meinem Alter, hat drei Kinder, ist schon mindestens seit einem Jahrzehnt mit dem Vater der Kinder zusammen. Die Kinder sind kurz vor dem schulpflichtigen Alter. So weit so gut. Ich hatte den Eindruck, dass sie glücklich ist. Wenn sie über ihre Kinder spricht, leuchten ihre Augen. Das verstehe ich. Als ich sie neulich fragte, wie es ihr gehe (es war die Art Frage, bei der wir in der Regel keine ehrliche Antwort geben oder erwarten), meinte sie, sie sei in Trennung. Ich war zugegebenermassen überrascht. Nicht, dass dies nicht „normal“ wäre (normal ist ja, was die Hälfte der Leute tut). Aber irgendwie tat es mir Leid. Ich meine, wenn ich mir überlege, dass ich jetzt mit drei kleinen Kindern alleine dastehen könnte und selber zusehen müsste, wie ich den Alltag zu viert bewältige – na ja, ich könnte mir gerade Schöneres vorstellen in meinem Leben. Quasi in meinem Alter mit einem Anhang von drei Kindern von vorne zu beginnen – also sich ein Leben neu einzurichten –, wäre gerade nicht die Beschäftigung, die ich mir wünschen würde. Und parallel dazu noch berufstätig zu sein. Na ja. Solche Situationen lassen sich wohl weder ändern noch so richtig vermeiden. Manchmal ist die Luft raus. Nach zehn Jahren sowieso. Aber nicht immer.

Eine andere Bekannte lebt in einer Beziehung. Sie hat keine Kinder und wird altersbedingt auch keine mehr bekommen. Sie ist nicht die Art nervige Partnerperson, die mich manchmal zur Weissglut treibt. Kennt ihr die Leute, die ihr erst gerade kennen gelernt habt und ihr wisst schon genau, wie der Partner heisst und dass diese zwei nur im Doppelpack zu haben sind? Ui, die finde ich schrecklich. Aber sie ist nicht die Art Partnermensch. Sie ist einfach jemand, der wohl seinen idealen Partner gefunden hat und diese Beziehung lebt. Ich habe sie nie gefragt, warum sie keine Kinder hat. Ich weiss auch nicht, ob das eine angemessene Frage ist. Immerhin frage ich auch nicht, warum Menschen Kinder haben, wenn sie denn welche haben. Sie ist einfach irgendwie eine erfolgreiche, selbständige Frau, die weiss, wer sie ist und deren Leben durch ihren Partner komplettiert wird. Punkt. (Beneidenswert)

Und dann die dritte Kategorie: Die Art Partnerschaften, bei denen ich mich frage, was soll das eigentlich? Warum tut ihr euch das an? Nicht, dass die beiden streiten würden. Nein. Nicht, dass sie sich nicht mehr lieben würden. Nein. Sondern sie heiraten nach jahrelanger Beziehungen, weil es eben der nächste Schritt ist. Es ist alles schön eingerichtet, man kennt sich, weiss, was man erwarten kann und was nicht. Punkt. Nicht mehr (kein Feuer, keine Überraschungen, keine Extase) und nicht weniger (höchstens mal ein Ehebruch, der verheimlicht wird, aber das war’s dann auch schon).

Und dann gibt’s noch Millionen anderer Möglichkeiten. Zum Beispiel diese: Er ist verheiratet. Sie auch, aber ihre Kinder und ihr Ehemann sind weit weg. Die beiden beginnen eine Affäre. Und es wird immer absurder. Er beginnt, sie zu kontrollieren, sie zu schlagen, zu vergewaltigen. Sie einzusperren, ihr alles zu verbieten. Und entgegen jedem gesunden Menschenverstand lässt sie es zu. Aus Liebe. Sagt sie.

Und dann gibt’s noch Millionen anderer Möglichkeiten. Aber für heute reichen diese vier (aus meinem engen oder weiten Umfeld).

(Quelle Beitragsbild: http://www.geo.de/GEOlino/kreativ/schreibwerkstatt/schreibwettbewerb-erste-liebe-68477.html?t=img&p=1)

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