Über die Liebe sinnieren…

„Was hältst du davon, wenn eine 17jährige ein Beziehung mit einem 24jährigen eingeht?“ Das wurde ich heute gefragt. Altersunterschied: 7 Jahre. Was ich davon halte? Nun ja, gegen den Altersunterschied habe ich eigentlich nichts einzuwenden. Ist doch o.k, dachte ich. Wenn Amor die beiden trifft, ist das doch in Ordnung. Ich habe Verwandte, die 26 Jahre trennen. Das ist dann eine andere Sache. Aber 7 Jahre – that’s fine. Ich dachte und sagte: „Wenn die Gefühle vorhanden sind, finde ich es in Ordnung.“ Sie meinte: „Irgendwie gehört es sich nicht, ihn abzuweisen.“ Wie bitte? Ich kann doch nicht mit jemandem eine Beziehung eingehen, nur, um ihn nicht abzuweisen! Mit wie vielen Männern hätte ich eine Beziehung geführt, wenn ich keinen und mich keiner abgewiesen hätte? Ui, mit unzähligen vermutlich.

Und dann meine Lieblingsfrage: „Hast du einen Freund?“ Ach du Scheisse. Ich hasse diese Frage. Nein, ich hasse diese Frage nicht so sehr wie ich die Folgefrage verabscheue: „Warum nicht?“ Tja, warum nicht. Vielleicht ist es an der Zeit, mal über dieses Warum nachzudenken. Aber ist das überhaupt möglich, ohne zum Schluss zu kommen, dass man irgendwie wohl nicht ganz normal ist? Ich habe nur mit den Schultern gezuckt. Sie meinte: „Es gibt ja keinen normalen Männer!“ Stopp! Da muss ich dann doch einhaken. Dem stimme ich nämlich nicht zu. Der Grund, dass ich keinen Freund habe, liegt bestimmt nicht darin, dass es keine normalen Männer gibt. Die gibt es. Das weiss ich. Daran liegt es nicht.

Doch woran liegt es? Die Gründe sind wohl vielschichtig, aber bestimmt nicht darin zu suchen, dass alle Männer nicht normal wären. Wer will auch schon einen normalen Mann? Nein, den will ich dann doch nicht. Und da liegt wohl mein Problem: Meine Vorstellungen.

Kürzlich las ich einen wunderbaren Roman. Ein Buch über Palästina und Israel – angefangen 1948 über 1968 usw. Alle Unruhen, Massaker, Attacken spielten in dieser Familiensage eine einflussreiche Rolle. Jedenfalls war da ein Paar – junge Leute. Als die Protagonistin ihre Liebe zu ihm beschrieb, fragte ich mich: Sind wir im Westen überhaupt noch fähig, so sehr und so tief zu lieben? Ganz ehrlich: Ich glaube nicht. Vielleicht liegt es daran, dass wir im Partner nicht den buchstäblichen Fels in der Brandung sehen. Der Partner ist nicht das Einzige, was uns bleibt, wenn unsere Welt in Trümmern steht, weil unsere Welt nie in echten Trümmern steht. Der Partner hat die Bedeutung der zweiten Hälfte verloren. Passt es nicht mit dem einen Partner, passt es womöglich mit dem anderen. Wenn man Glück hat. Und wenn man kein Glück hat, lebt man trotzdem und kann glücklich sein. Der Partner hat bei uns nicht die Aufgabe, uns zu erfüllen. Das holen wir uns anders: Über die berufliche Anerkennung oder Weiterbildungen zum Beispiel. Wir alle füllen unser Konto selbst und sind selbst für uns verantwortlich. Wir alle können für uns alleine sorgen. In jeder Situation. Ein adäquater und zu uns passender Partner hat lediglich noch die Rolle, uns glücklicher zu machen (wenn überhaupt) und nicht, uns überhaupt glücklich zu machen. Geschweige denn, uns am Leben zu erhalten oder uns zu ernähren. Diese Zeiten sind vorbei. Und vorbei ist damit vielleicht diese tiefe Liebe, für die man alles Erdenkliche auf der Welt tun würde.

Entsteht aber daraus eine neue Art Liebe? Eine Liebe auf einer anderen, vielleicht oberflächlicheren, aber doch unabhängigeren Ebene? Wie lieben wir denn? Was sehen wir im Partner? Wir können uns jederzeit trennen. Das gibt uns in gewisser Weise eine Unabhängigkeit. Wir wissen, dass wir die Zügel in der Hand halten und diese nach Belieben an- und entspannen können. Oder auch ganz loslassen. Was macht das mit der Liebe? Sind wir fähig, noch wirklich zu lieben, wenn wir aus der Phase der Verliebtheit raus sind?

(Quelle Beitragsbild: http://www.testedich.de/liebes-tests-partner-Liebe-ich-ihn.php?katb=10B0)

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4 Gedanken zu “Über die Liebe sinnieren…

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