Neulich… mit einer HIV-Testerin

Neulich habe ich eine sehr nette Frau kennengelernt. Wir sassen im gleichen Zugabteil und hörten unfreiwillig eine Konversation zwischen zwei jugendlichen Mädchen mit, die sich lautstark über Verhütungsmittel unterhielten. Sie sprachen über verschiedene Verhütungsmethoden und waren Kondomen gegenüber kritisch eingestellt. Die Frau mir gegenüber verdrehte die Augen. Als ich das sah, lächelte ich ihr zu und sagte: „Irgendwie wurden wir anders erzogen.“ Sie meinte, sie könne es nicht mehr hören. Ihr Alltag drehe sich um das Thema Sex. Ich war neugierig und fragte sie nach dieser Tätigkeit (zugegebenermassen hatte ich zunächst daran gedacht, dass sie im Horizontalgewerbe tätig war).

Sie sagte, sie teste Menschen auf HIV. Interessant, wie ich fand. Und dann sprudelte es aus ihr heraus: Ihre Arbeit besteht darin, Menschen, die freiwillig zu dieser Stelle, wo sie arbeitet, auf HIV zu testen und mit ihnen über sichere Verhütungsmittel zu reden. Cool! „Wer sind Ihre Kunden?“ Und da fing es schon an. „Paare, Homosexuelle, aber auch Prostituierte und generell einfach jeder, der sich testen lasse wolle.“ „Wie jeder?“ Sie klärte mich auf: Menschen kämen, um sich nach einem Seitensprung testen zu lassen. Ich dachte, zum Glück tun die das. Aber ich hatte Blut geleckt: Auch Verheiratete? „Ja, auch Verheiratete.“ „Männer oder Frauen?“ Sie sagte, vorwiegend Männer. Und fügte hinzu: „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie viele verheiratete Männer Sex mit anderen Männern haben.“ Ja, das kann ich mir wohl wirklich nicht vorstellen! „Bisexuelle also?“ „Ja, oder einfach Männer, die zwar mit einer Frau verheiratet sind, aber Sex mit anderen Männern praktizieren.“ Hoppla. Ich dache immer, wir seien doch eine offene Gesellschaft. Homosexualität ist heute – zum Glück! – breit akzeptiert. Wenn ich einen Sohn hätte und er homosexuell wäre, wäre das für mich kein Problem.

Und sonst, so? Na ja, es gebe nicht viele Neuansteckungen, dennoch sei es wichtig, für das sicherste Verhütungsmittel – das Kondom – zu werben und den Menschen ins Bewusstsein zu rufen, dass sie es benützen wollen. Apropos, „ich hätte noch einige Musterkondome dabei. Wollen Sie welche?“ Ich lehnte dankend ab und wir fingen lautstark an, zu lachen.

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(Quelle: http://www.aids.ch/de/was-wir-tun/kampagnen/lovelife.php)

(Quelle Titelbild: http://www.sanlucar.com/fruechte/bananen/)

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