Die Übergriffe auf Frauen in Köln – was ist wahr und was sollen wir davon halten?

Die Medien halten sich vorwiegend bedeckt. Es sei an Silvester zu Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof gekommen. Mutmasslich hätten gegen Tausend Männer die Kontrolle über sich verloren und die gute Erziehung zuhause vergessen. Mutmasslich handle es sich sogar um Immigranten. Mutmasslich sogar um Asylsuchende, vorwiegend aus dem Maghreb. Ich kann nichts mutmassen, ich war weder dabei noch kann ich alles glauben, was die Medien uns sagen. Noch kann ich mich gegen eine Gruppe von Menschen „aufhetzen“. Denn die Vorwürfe bleiben erstmal nur Vorwürfe.

Ich habe mit sehr vielen Menschen aus dem Maghreb zu tun gehabt. Ich hatte auch schon schwierige Erfahrungen mit ihnen, das gebe ich zu. Aber niemals – wirklich niemals – wurde ich angegriffen, weil ich eine Frau bin. Im Gegenteil – ich wurde verschont, weil ich eine Frau bin. Ich war sogar einmal bei einer Ausschreitung dabei – es war sozusagen ein Aufstand gegen die Obrigkeit. In diesem Raum waren viele junge Männer aus dem Maghreb, einige Sicherheitsleute, die der Lage nicht Herr werden konnten und ich als einzige Frau. Ich habe erlebt, dass die Männer ziemlich aggressiv wurden, dass die Situation ausser Kontrolle geriet, dass die Gemüter erhitzt waren. Aber mir wurde kein Haar gekrümmt. Ich ging als einzige völlig unversehrt aus dieser schrecklichen Situation heraus. Mich hat niemand angegriffen, nicht verletzt und auch niemals berührt.

Ich habe zwar die Erfahrung gemacht, dass es manchmal an Respekt gegen eine westliche Frau mangelt. Und zwar nicht unbedingt durch Männer, die gerade erst eingereist sind, sondern vor allem auch durch Männer, die schon seit vielen Jahrzehnten in der Schweiz leben. Damit habe ich natürlich Mühe. Wenn mich ältere, vielleicht siebzigjährige Männer, die in der Schweiz sogar studiert haben, so behandeln, als wäre mein Wort nichts wert. Diese Männer haben es zum Beispiel auch miterlebt, als 1971 das bundesweite Stimmrecht für die Frauen eingeführt wurde. Vermutlich fassten sie sich damals an den Kopf. Und eine so viel jüngere Frau als ebenbürtige Vertragspartnerin zu respektieren, fällt ihnen schwer. Aber wisst ihr was: Damit muss man halt auch leben können. Kann ich auch. Muss ich wohl. Man kann niemandem Weisheit, Vernunft oder Menschenverstand ins Gehirn pflanzen. Aber wie gesagt, ich wurde niemals so respektlos von jungen Maghrebinern behandelt. Klar haben auch sie manchmal Mühe, dass eine junge Frau über ihr Schicksal entscheiden kann. Aber damit hätte auch ich Mühe, wenn ich ehrlich bin. Wenn irgendjemand über mein Schicksal entscheiden könnte. Vermutlich liegt das in der Natur der Sache und nicht am Geschlecht.

Was da gerade an Hetze gegen Männer aus dem Maghreb und generell gegen Muslime läuft, stösst mir wirklich sauer auf. Es bleibt jedem einzelnen von uns überlassen, was er davon hält und was er als wahr verstehen will und was nicht. Ich bin gespannt, ob es in diesem Fall zu einer Klärung kommt und ob diese dann auch wirklich richtig an die Bevölkerung kommuniziert wird. Aber ich wehre mich gegen die Hetze.

(Quelle Beitragsbild: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/die-polizei-in-koeln-ist-machtlos-und-frustriert-14002785.html)

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