Trennungsschmerz und Trauerphase

Wie lange ist deine letzte Trennung her? Erinnerst du dich an das Gefühl?

Wenn ich aufwache, bist du das erste, was mir in den Sinn kommt. Und ich weiss schon in jenem Moment, dass ich meine Augen am liebsten gar nicht erst öffnen, den Tag gar nicht erst begehen und auch nicht abschliessen möchte. Ich weiss schon, dass mir ein Tag voller Zweifel, Selbstgeisselung, Trauer und Schmerz bevorsteht. Mein Brustkorb verengt sich und ich will mich nur noch umdrehen, mich in meine Kuscheldecke einwickeln und dich, die Welt und mich vergessen. Und vor allem uns vergessen.

Ich stehe trotzdem auf. Ich habe schliesslich eine Verantwortung und nicht die Freiheit, den Tag zu ignorieren. Wie ein Roboter erledige ich, was es zu erledigen gibt, gehe zur Arbeit, unterhalte mich mit meinen Kollegen. Ich rede, ich mache, ich denke – und alles, was mich beschäftigt, bist du. Ich sehe aus und verhalte mich normal. Spiele anderen (und mir – denn das hilft mir) vor, es sei alles wie immer, alles in Ordnung. Fragt mich jemand nach meinem Befinden, so überlege ich nicht lange und antworte mit „gut“. Würde ich nämlich länger darüber nachdenken, würde ich merken, dass ich nicht lügen kann. So geht auch das automatisch. Es gehe mir gut, sage ich. Währenddessen zerreisst es mich innerlich und ich würde am liebsten losschreien und heulen.

Ich versuche, mich zu besinnen: Es ist doch alles in Ordnung. Es ist nichts passiert. Niemand ist gestorben und es ist auch niemand an einer unheilbaren Krankheit erkrankt. Eine Bekannte erzählt mir von einer 25jährigen Frau, deren ganzer Arm von einem Hai erfasst wurde. Ich finde das grauenhaft und denke: Hoffentlich passiert mir so etwas nie. Und ich bleibe trotzdem in meiner Trauer haften. Komme da nicht raus. Kann mich nicht aufmuntern. Es ist doch nicht alles verloren, mein Gott! Und doch – ich fühle mich, als stünde die Welt still. Nein, ich fühle mich eigentlich so, als stünde ich still und die Welt drehe sich ohne mich weiter. Ja, genau so fühle ich mich.

Und ich könnte weinen und tue es nicht. Und ich könnte schreien und tue es nicht. Stattdessen entscheide ich mich, den Schmerz zu ertragen. Ich weiss, dass alles vorbei geht. Was heute schlimm ist, wird morgen nicht mehr so schlimm sein. Was ich heute will, werde ich morgen nicht mehr wollen. Das, wovon ich glaube, dass ich es zum leben brauche, ist veränderbar. Wie alles in der Welt. Alles verändert sich und ich weiss das und es stillt meinen Schmerz trotzdem nicht.

Das Gefühl, das mich fertig macht, ist jenes der Abweisung. Abgewiesen zu werden, nicht gewollt, geschätzt zu werden, ist wohl etwas, womit ich schlecht zurechtkomme. Das weiss ich und es hilft mir weder weiter noch kann ich daran arbeiten, das besser zu ertragen. Seien wir doch ehrlich: Wer kann schon damit umgehen, abgewiesen worden zu sein? Und ich weiss: Ich will mich das nächste Mal nicht so verbeissen. Dann klappt es. Das weiss ich und das kann ich – aber dann ist das, was ich bekomme, nicht das, was mein Herz berührt.

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