Diese eine gefährliche Anziehung

Was bleibt, wenn ein Vulkan ausgebrochen ist? Lava. Und die ist so heiss, dass sie alles aus dem Weg räumt. Das habe ich mit dir erlebt. Ich kannte das von früher – da gab es diesen einen, einen einzigen Fall, bei dem ich das Gefühl hatte, dass es jeden Moment explodieren könne und da explodierte es auch, aber mit dir, mit dir bin ich immer kurz davor und dann lassen wir die Eruption nicht zu. Verdammt!

Du – du entfachst jedes Fünkchen in mir. Warum? Warum bloss? Es war ein normaler Tag. Du warst da, ich war da. Aber an diesem Tag war es noch viel unerträglicher als sonst. Wir hätten einander auf der Stelle ausziehen können. Wenn ich jetzt im Konjunktiv weiterschreibe, dann ärgere ich mich nur. Wenn ich könnte, würde ich dich lieben. Ich würde dich mit Haut und Haaren lieben.(Ja, ich ärgere mich!) Ich liebe alles und doch nichts an dir. Ich will dich und will dich nicht. Ich will dich immer, wenn du bei mir bist. Wenn ich mir nur vorstelle, was ich an dir lieben würde. Alles. Deinen Blick heute. Den vergesse ich nie. Du hast mich so innig angeschaut – diese Vertrautheit, sie macht mich wahnsinnig. Als wären wir seit Jahren ein Liebespaar – aber ein echtes Liebespaar, nicht einfach ein Paar, das eine Beziehung führt, sondern ein richtiges Liebespaar. Was wir natürlich nicht sind und nie sein werden. Aber ich weiss, warum das so ist. Wir können unsere Lebensumstände nicht ändern. Oder wir wollen sie nicht ändern. Und doch ist dieser Moment, in dem wir vergessen, wer wir sind, so intensiv, dass er alles übertrumpft. Er ist so wertvoll für uns beide, dass wir den Vulkan gar nicht zum Ausbruch bringen müssen. Weisst du, was ich meine, wenn ich das sage? Du weiss es genau, genauso wie ich. Dieser blöde Vulkan!

Wieso sind wir so gefangen in unserem Gewissen, in unseren Memplexen? Warum macht die Gesellschaft das mit uns? Wie kann es sein, dass wir uns an ungeschriebene Regeln halten, weil die Gesellschaft es von uns verlangt? Wir kasteien uns selbst, nur weil wir etwas nicht „dürfen“. Aber dieses „dürfen“ müssten wir doch alle für uns selbst im entsprechenden Moment definieren können. Ich darf, ich dürfte alles, was ich wollte. Aber ich weiss, dass es dich zerstören würde. Und das ist der Preis, den ich nicht bezahlen kann und auch nicht will. Darum weiss ich, dass ich dich liebe: Ich verzichte auf dich – deinetwegen! Wenn ich dürfte, wenn ich wüsste, dass es dich nicht zerstören würde, wenn du es mir wenigstens sagen würdest – das tust du nicht! –, dann könnte ich jeden Preis in Kauf nehmen. Aber du willst mich und bittest mich gleichzeitig, nein, du flehst mich an, dich abzuweisen. Ich weise dich ab, obwohl ich nichts mehr will als dich, weil du mich anflehst, dich abzuweisen. Du bist nicht mehr in der Lage, das zu tun. Und du weisst, dass du mir so viel bedeutest, dass ich meine Bedürfnisse weniger gewichte als dein Gewissen.

Wenn ich mir überlege, wie es wäre, und wenn du dir überlegst, wie es wäre, dann, und darüber sind wir uns einig, wissen wir beide, dass wir in diesem Moment – weil er so einzigartig wäre – sterben könnten. Wir wissen, dass alles egal wäre. Die Welt könnte untergehen, das würde keine Rolle spielen. Ja, so wäre es, wenn wir uns endlich unseren Gefühlen hingeben würden. Wenn wir erkennen würden, dass es gar keinen Ausweg mehr gibt. Seien wir ehrlich: Aus diesem Dilemma kommen wir nie wider heraus! Der Vulkan brodelt und er brodelt so stark, dass er in jedem Moment explodieren kann. Wie lange sind wir noch in der Lage, ihm auszuweichen? Sind wir denn überhaupt noch und er Lage? Wie lange währt denn die Vernunft? Kann Vernunft jede Begierde unterdrücken? Wann explodieren wir? Und was sollen wir tun, um den Vulkan nicht ausbrechen zu lassen? Was können wir überhaupt noch tun?

Ich habe dir immer gesagt, dass ich Vernunft walten lasse. Das habe ich wirklich gemacht. Ich habe dir immer wieder versichert, dass ich dich nicht berühren würde (gut, berührt habe ich dich, aber ich meine so richtig…), weil ich weiss, dass du es nicht willst. Nein, das ist auch nicht richtig. Natürlich willst du es, genauso wie ich, es gibt nichts, was wir mehr wollen. Ich meine: Ich würde die Notbremse ziehen. Ja, so ist es richtig: Ich habe dir immer wieder versichert, versprochen, dass ich die Notbremse rechtzeitig ziehen würde. Bevor wir uns küssen. Bevor wir beide nur noch von unserer Begierde gesteuert würden. Das habe ich dir immer versprochen und ich habe mein Versprechen gehalten. Aber was, wenn ich schwach werde? Warum darfst du schwach werden und ich nicht? Warum darfst du dich mir nähern, mir tief in die Augen schauen, mich berühren und mir nahe kommen? Warum muss ich dich immer abwehren – weil du es willst? Ich habe dir immer etwas versprochen, was ich eingehalten habe, aber ich weiss nicht mehr, wie lange ich das noch ertrage. Ich weiss nicht, ob ich dich weiterhin abweisen kann, wenn es doch nichts mehr gibt, was ich will, als dich!

 

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