Wenn ich dir nichts mehr versprechen kann

Wir hatten eine Abmachung, über die wir immer wieder sprachen, ohne sie so richtig zu besprechen. Sie lautet: Ich will, aber ich darf nicht. Also eigentlich lautet sie: Du willst, aber du darfst nicht. Und meine heisst: Ich will, aber werde alles tun, um es zu verhindern – weil du mir viel bedeutest. Bis anhin ging das gut so. Jahrelang ging es so gut. Ich dachte immer, irgendwann würde alles abflauen. Ja, es hätte sich legen, beruhigen müssen. Es gab auch Zeiten, in denen ich dir weniger Beachtung schenken konnte. Aber das waren nur kurze Phasen. Womit das schlussendlich etwas zu tun hatte, weiss ich nicht, sonst würde ich „es“ herbeizaubern. Wir haben uns oft tief in die Augen geschaut und wir wussten: Wir wollen, aber wir dürfen nicht wollen. Und schon gar nicht etwas tun. Das kommt nicht in Frage.

Wir haben es hingekriegt, uns jahrelang zu bezirzen, ohne uns in Bedrängnis zu bringen. Gut, es gab diesen einen kritischen Moment. Der war wirklich kritisch und als wir den „heil“ überstanden hatten, waren wir selbst verblüfft.

Im Moment merke ich, dass es verdammt schwierig ist. Im Moment ist es eher ein: Gib mir, was noch akzeptabel ist. Häppchenweise – das, was in Ordnung ist, das, womit du leben kannst. (Mich fragt eh keiner.) Berührungen, Umarmungen gab es schon immer. Aber kürzlich hast du mich geküsst. Gut, es war kein langer Kuss, aber es war einer. Auf meinen Hals. Du hast mich geküsst, nicht ich dich. Ich habe dich weggeschoben, deinetwegen. Am liebsten hätte ich dich gepackt und auf der Stelle geküsst. Aber wir sind ja vernünftige, erwachsene Leute. Wir wissen, was sich gehört und du lebst danach. Willst danach leben. Der Kuss auf den Hals gehört sich selbstverständlich nicht. Aber so schlimm ist er eben auch nicht – er ist weniger „schlimm“, als wenn du mich richtig geküsst hättest. Und noch viel schlimmer wäre es gewesen, wenn ich dich – um Gottes Willen – geküsst hätte.

Wir sind an einem Punkt, an dem es so, wie es bisher war, nicht weitergeht und ich weiss nicht, wie es weitergehen soll und kann. Was sollen wir tun? Sollen wir uns weiterhin quälen? Was soll ich tun? Ich würde dich so gerne vergessen, ich wünschte, du wärst mir egal, damit ich mich auf einen anderen Mann – etwas Ernsthaftes – einlassen könnte. Ich wünschte, das ginge. Und ich habe eine Hoffnung: Dass es geht, wenn ich dich nicht mehr sehe. Es muss. Du kannst nicht immer omnipräsent sein. Gut, du bist nicht omnipräsent, aber sobald ich dich sehe, bin ich verrückt nach dir.

Seitdem wir uns kennen, habe ich dir versichert: Ich werde alles verhindern, weil ich deinen Wunsch respektiere. Ich kann dir dieses Versprechen nicht mehr geben. Nicht, weil ich dich nicht mehr respektiere, sondern weil mein Verlangen nach dir grösser als alles andere ist. Verzeih mir. Ich werde dich nicht mehr abweisen.

(Quelle Beitragsbild: http://www.fragrantica.com/news/Rose-L-Extase-Nina-Ricci-6473.html)

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