Liebes Leben, was bist du wert? Nachdenken über das Leben und Sterben.

Ach, liebes Leben, was bist du wert? Was lohnt sich, dir zu geben, wenn wir dich eines Tages ohnehin verlieren? Wir trachten ständig nach dem Besten im Leben im Wissen, dass wir dich eines Tages verlassen. Oder dass du uns eines Tages verlässt. Du kannst uns schleichend verlassen oder plötzlich. Was geht dann in uns vor? Was denken wir, wenn wir merken, dass du uns verlässt? Dass wir uns von dir verabschieden und von unseren Liebsten? Was denken Sterbende? Ich habe mehrmals darüber geschrieben, was Sterbende bereuen. Aber gerade beschäftigt mich eine andere Frage: Was geht in uns vor, wenn wir wissen, dass wir in den nächsten Sekunden sterben werden?

Liebes Leben, ist es richtig, dich bedingungslos zu lieben? Ist es richtig, dir alles von uns zu geben? Ist es richtig, dich haben, dich behalten zu wollen? Oder wäre es nicht vielmehr wünschenswert, uns bewusst zu machen, dass du dich zu jedem Zeitpunkt von uns trennen kannst, wie es dir beliebt? Wir legen unser Alles in deine Hände, wir sind dir ausgeliefert, wir lieben dich mit jeder Faser unseres Körpers und mit unserer ganzen Seele. 

Was würdest mir zeigen, wenn wir uns wieder sehen würden? Die Frage ist gut: Was würde ich dir sagen oder zeigen? Was müsste ich dir erklären? Was würden wir jemandem sagen, der zehn Jahre oder länger weg war – oder um es auf den Punkt zu bringen: Was würden wir tun, wenn wir jemanden begegnen würden, der tot ist (so wie Jesus auferstanden ist)?

Ich würde dir gerne ein paar Orte auf der Welt zeigen, die ich lieben gelernt habe. Einige Orte haben mich verändert. Ich habe gelernt, Momente in mir aufzunehmen, ihre Wirkung entfalten zu lassen; ich habe sogar gelernt, das Gefühl zu speichern und die Orte auch wieder zu vergessen. Ich habe gelernt, wieder begeistert zu sein, auch wenn ich Dinge sehe, die ich bereits gesehen, über die ich bereits einmal gestaunt habe.

Ich würde dir gerne ein paar Lieder vorspielen, die du nicht kennst. Zum Beispiel dieses:

Ich würde dir gerne das Schöne der Welt zeigen – was sich verändert hat, seitdem du weg warst, aber ich würde mit dem Guten anfangen. Am meisten habe ich mich verändert, würde ich dir sagen. Vielleicht würdest du denken, ich sei noch die gleiche. Glaubst du, wir würden noch über die gleichen Dinge lachen wie damals? Glaubst du, dass wir miteinander weinen könnten? Glaubst du, wir könnten uns diesmal in Frieden und für immer voneinander verabschieden?

Und dann denke ich über das Schicksal nach. Ich bin mir nicht sicher, ob ich an das Schicksal glauben will. Nein, das stimmt nicht. Ich will an das Schicksal glauben, weil es einfach ist. Mit dem Schicksal erklären und rechtfertigen wir Ereignisse in unserem Leben. Passiert etwas Schlechtes, wollen wir denken: Wir hätten nichts tun können, es lag nicht in unserer Macht, nicht in unseren Händen. Ich befürchte, wir könnten nicht mit der Tatsache Leben, die Dinge nicht verändern zu können und sind lieber ohnmächtig vor dem Schicksal als vor dem Leben.

(Quelle Beitragsbild: https://gate20.files.wordpress.com/2013/01/just-another-day-in-paradise-hawaii.jpg)

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