Afrika – one love.

Ich weiss nicht, warum mich Afrika fasziniert. Afrika – der Kontinent, den wir Europäer so sehr ausgehöhlt haben und ihn jetzt sich selbst überlassen. Länder, Menschen, Völker, Naturressourcen, die wir maximal ausgenützt haben und noch immer ausnützen. Immer egoistisch, immer auf Gewinn bedacht.

Als Weisse in Afrika zu sein, erfüllt mich mit so vielen verschiedenen Gefühlen. In Afrika weiss zu sein, fühlt sich irgendwie schlecht an; es fühlt sich irgendwie falsch an; es fühlt sich auch schuldig an. Ja, ich fühle mich in Afrika schuldig, obwohl ich an nichts schuld bin. Obwohl meine Vorfahren keine Kolonialisten waren. Und trotzdem erfüllt es mich mit so vielen Schuldgefühlen. In Afrika weiss zu sein, heisst, Platzhalter für so viel zu sein: Für Geld. Für Macht. Für Ausnützung und Versklavung. Die Kinder mit den ausgebeulten Bäuchen und den dreckigen und löchrigen Kleidern zu sehen, erfüllt mich mit Trauer, mit Mitleid, mit negativer Empathie. Ich schaue mir diese Kinder an und wünschte, ich könnte die Welt retten. Ich schaue mir die Kinder an und denke: Ich wünschte, es wäre in meiner Macht, dir genug zu essen zu geben, dich sauber zu machen, dir das zu geben, was du als Kind verdienst: Nahrung, Hygiene, fliessendes Wasser, Zugang zu Strom. Doch es ist nicht nur ein Kind, es sind Millionen von Kindern. Ich habe in meinem Leben noch nie so viele Kinder auf einmal gesehen. In Afrika habe ich das Gefühl, die Welt bestünde hauptsächlich aus Kindern.

Kinder in Europa spielen mit iPads. Kinder in Afrika spielen miteinander im Staub und Dreck mit aus Kleiderfetzen geformten Bällen. Sie spielen mit der Natur – mit dem, was da ist. Sie toben aber auch am Strand herum, baden im Meer, laufen barfuss herum, weil sie gar keine Schuhe haben. Sie sagen, sie seien dadurch mit der Natur verbunden. Das sind sie.

Kinder mit Karies. Wir hatten als Kinder in der Primarschule „Zahnputzunterricht“. Das Gefälle zwischen Afrika und Europa ist so gross, dass ich zuweilen das Gefühl habe, es handle sich um zwei Welten. Und das tut es vermutlich auch. Die Brücke zwischen diesen Welten zu schlagen, fällt mir zuweilen noch schwer. Vielleicht ist es eine Frage der Zeit, bis ich diese Brücke schlagen kann und nicht mehr vergleiche.

Nicht, dass Afrika und Europa gleich sein sollten, versteht mich nicht falsch. Das ist ja das Spannende und darum reisen wir, weil wir etwas Anderes sehen möchten. Und am extremsten „anders“ ist es eben doch in Afrika. Und diese Andersartigkeit erheitert mich auch. Es ist ja nicht so, als würde mich Afrika traurig machen. Im Gegenteil. Die Schönheit der Natur, das Lachen der Menschen, die neugierigen Kinderaugen, die Mädchen, die meine Haare berühren möchten, weil meine Haare so anders sind; das Fragen nach Seife – einem Gut, das für uns so selbstverständlich ist wie trinkbares Wasser aus dem Wasserhahnen…

Afrika überwältigt mich, ruft Glücksgefühle in mir auf, macht mich nachdenklich, traurig, empathisch; bescheiden und dankbar.

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