Erst einmal nicht festlegen – oder gar nie…

Erinnerst du dich an diesen netten Mann, von dem ich dir erzählt habe? Ironischerweise habe ich dir tatsächlich von ihm erzählt. Seitdem hat sich etwas zwischen uns verändert, das wissen wir beide. Das hätte ich nie geahnt. Ich hätte dir nicht von ihm erzählt, wenn ich gewusst hätte, was das in dir auslöst. Oder hätte ich es gerade dann getan?

Ich habe festgestellt, dass er der Typ Mann ist, der sich nicht festlegen will. Stell dir das vor! Kannst du, der du dich festgelegt hast – vermeintlich für den Rest deines Lebens –, das verstehen? Glaub mir, ich kann es auch nicht. Wieso kann sich die 30er Generation von Heute nicht festlegen? Mal schauen, zuwarten, was sich ergibt. Und was ergibt sich dann? Nichts! Nichts, weil man keine Stellung bezieht, weil man den Mut nicht hat, ja oder nein zu sagen, weil immer alles grau und nie schwarz oder weiss ist. Darum. Und das ist das Verderben für unsere Generation, das sage ich dir jetzt ganz offen und ehrlich. Wenn wir so weitermachen, wird nie was aus uns werden – und mit „uns“ meine ich nicht dich und mich, sondern unsere Generation. Weil wir uns nie festlegen, nie entscheiden können. Weil wir so viele Optionen haben, dass wir immer Angst davor haben, etwas zu verpassen. Nein: Weil wir Angst haben, etwas Besseres zu verpassen. Man kann ja nie wissen. Und indem man nie wissen kann, kann man sich auch nie klar für oder gegen etwas entscheiden. Das wird uns nicht zum Verhängnis – das ist uns bereits zum Verhängnis geworden. Believe it or not. Das ist der neue Eindruck.

Und mein alter Eindruck? Der bist du. Weisst du, zwischen uns glüht es nun schon seit Jahren. Ja, natürlich weisst du das, du kämpfst schliesslich auch dagegen an. Und die Situation wird nicht besser. Das Problem an dir, nein, natürlich nicht an dir, sondern an unserer verfahrenen Situation ist, dass du mich bremst. Oder bremse ich mich selbst? Ich liebe dich nicht, aber du bist in meinem Kopf (oder in meinem Herzen?) omnipräsent. Ich kann mich ja auch nicht festlegen, kann mich nicht auf jemand anderen konzentrieren. Das Verflixte daran ist aber, dass du nicht in meinem Kopf bist, während ich vielleicht Hoffnung schöpfe. Ich glaube, das wahre Problem liegt darin, dass du in meinem Herzen bist. Nur, so wie du war noch keiner dort. Du eröffnest praktisch eine neue Variante der Herz-Besetzung. Es ist nicht so, dass ich ständig an dich denke. Aber es ist so, dass ich mich nicht auf jemand anderen einlassen kann, weil du den Platz in meinem Herzen nicht freigeben willst. Damit bremst du mich; mich und meine Hoffnung erlöschst du. Du blockierst mich, ohne es absichtlich zu tun. Wenn ich könnte, würde ich dich aus meinem Herzen verbannen, aber weil alles auf eine sehr subtile Art und Weise vor sich geht, ist es praktisch unmöglich. Und trotzdem ist es schön. Und wenn ich ehrlich bin, wehre ich mich nicht gegen diese Herz-Besetzung. Und so kommt es eben, dass auch ich mich nicht festlege – nicht für jemand anderen entscheiden kann; lieber im Graubereich bleibe, als Farbe zu bekennen. Ich lasse es dann doch lieber sein, als es zu wagen und trage somit zum Abgrund meiner Generation bei.

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