Aus aktuellem Anlass: Über das Massaker von Orlando und über Schwule

Vor drei Tagen tötete ein 29jähriger 49 Menschen und verletzte weitere 53 in Orlando. Die Tragödie spielte sich in einem Schwulenclub ab. In den Medien wird nun heftig darüber diskutiert, ob der Täter selbst schwule Neigungen gehabt habe, die er als Muslim nicht habe ausleben dürfen. Er soll im betroffenen Schwulenclub sogar Stammgast gewesen sein und Kontakte zu Homosexuellen gesucht haben. Das Massaker ist nach demjenigen von Norwegen, verübt durch Anders Behring Breivik, das schlimmste von einem einzelnen Täter mit einer Schusswaffe verübte Attentat. So viel zu den Zahlen.

Dass Menschen dazu neigen, sich gegen etwas zu richten, was sie an sich nicht akzeptieren können, ist nicht neu. Demnach wäre es durchaus möglich, dass der Täter homosexuelle Neigungen hatte, die er nicht annehmen konnte. Dass Menschen grundsätzlich – leider – dazu neigen, homophobe Gedanken zu haben, ist auch nicht neu. Weitere Gründe für solche Gefühle könnten sein, dass es aus vermeintlich religiösen Gründen (Christlich-Radikale sind da leider nicht ausgeschlossen) geschieht oder dass – ganz simpel – der Kontakt zu Homosexuellen fehlt (das kennt man von ausländerfeindlichem Gedankengut: In der Schweiz stimmen meist jene Regionen gegen Ausländer, in denen die wenigsten Ausländer leben). Hinzu kommt das grundsätzliche Bejahen des Tötens: Nicht abgeneigt zu sein von dem Gedanken, Menschen umzubringen. Was den Täter von Orlando schliesslich dazu getrieben hat, weiss, wenn überhaupt, nur er selbst. Wir werden das ohnehin nie verstehen können, auch wenn wir die vielschichtige Motivation noch so auszuhöhlen versuchen.

Da das Massaker aber in einem Schwulenclub passiert ist, möchte ich – als Frau – es nicht versäumen, euch meine Gedanken über Homosexuelle grundsätzlich preiszugeben. Meine erste Frage ist: Was um Himmels Willen kann man denn gegen Schwule haben? Wie kommt es dazu, dass ich mir das Recht herausnehme, über sexuelle Orientierungen, die keinem schaden, zu urteilen? Einige von euch würden mir jetzt antworten: „Aber Gott hat das so nicht gewollt!“ Aha, Gott hat das so nicht gewollt? Woher wisst ihr das bitteschön? Hätte Gott nicht gewollt, dass Männer schwul sind, dann wären Männer nicht schwul. Und dann: „Aber Gott hat Adam und Eva erschaffen und nicht Adam und Otto!“ Ja, logisch, hat er das (wenn er das denn überhaupt hat), weil Adam und Otto sich nicht vermehren können und so das ganze Vorhaben mit der Menschheit gescheitert wäre. Aber das heisst doch noch lange nicht, dass Adam und Otto keine Berechtigung in der Welt haben! Ich meine, ganz ehrlich: Als ob alle Adams und Evas sich reproduzieren sollten! Manche Adams und Evas täten meiner Meinung nach gut daran, dies zu unterlassen. Ausserdem sind auch manche Tiere homosexuell oder gar beidgeschlechtlich. So what? Manche Menschen sind ja auch Hermaphroditen und die lässt man – zum Glück – auch am Leben. Oder findet ihr, man sollte alle töten, die nicht entweder Adam oder Eva sind und auch nicht auf den anderen stehen? Mit welcher Begründung denn? Wer kann schon über das Leben anderer urteilen, wenn nicht Gott höchstpersönlich? Lasst das doch bitte Gott entscheiden vor dem jüngsten Gericht. So viel zu Gott. Der weiss schon, was er tut und wenn ihr nicht daran glaubt, dann hört bitte endlich auf, euch auf Gott zu berufen. Punkt.

Nein, ich werde nie verstehen und nie akzeptieren, dass Menschen (leider meist Männer) etwas gegen Schwule haben. Ich selbst zähle einige Schwule zu meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Stellt euch vor: Sie sind so normal wie wir auch! Es spielt doch keine Rolle, ob wir auf das andere oder auf das gleiche Geschlecht stehen. Es spielt nicht einmal eine Rolle, wenn wir gar nicht auf jemanden stehen. Ist doch egal – ob wir homosexuell sind oder asexuell oder bisexuell oder was es alles noch geben mag. Wichtig ist doch nur, dass wir glücklich sind und einander in unserer wunderbaren Heterogenität akzeptieren und leben lassen!

(Quelle Beitragsbild: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/orlando-massaker-reaktionen-homosexuellen-bewegung)

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