Das ist doch nicht normal: Über Arbeitssklaven im 21. Jahrhundert.

Immer wieder stolpere ich über Sklaven des 21. Jahrhunderts. Ihr kennt die Spezies Mensch bestimmt auch: Sonntags noch schnell das erledigen, was unter der Woche liegen geblieben ist. Selbstverständlich unbezahlt. Zehn- oder Zwölfstundentage fünf Tage die Woche. Selbstverständlich unbezahlt. Schliesslich verfügt das moderne Unternehmen von heute über keine Stempeluhren. Alles inklusive. Erwartet wird eine bedingungs- und grenzenlose Hingabe, Einsatz, Initiative, Engagement. Schliesslich wird man dafür bezahlt. Verhältnismässig schlecht, aber immerhin hat man eine Arbeitsstelle und wenn man sich weigert, all die Extras zu leisten, ist man schneller weg als man glaubt. Unternehmen setzen ihre Mitarbeiter massiv unter Druck mit der Tatsache, dass sie – die Arbeitnehmer – jederzeit ersetzbar sind. Und das Tragische daran: Sie sind tatsächlich problemlos ersetzbar! Es findet sich immer ein Esel (sorry), der den Arbeitswahnsinn mitmacht. Einer wird es eben schon machen, weil irgendeiner auf den Lohn angewiesen ist.

Für mich stellen sich in Bezug auf diese Thematik zwei Fragen. Erstens: Warum lässt ihr das mit euch machen? Und zweitens: Warum ändert ihr nichts an der Situation? Zur ersten Frage, die ich übrigens immer wieder den betreffenden Arbeitssklaven stelle: Ich bekomme nie eine Antwort, die mich befriedigt. Die Antworten reichen von „Ich habe keine andere Wahl“ über „Das ist heutzutage normal“ oder „Das machen alle so“ bis hin zu „An einem anderen Ort wäre es auch nicht besser“. Die Ausreden – ja, ich bin so frei, die Antworten so zu nennen, sind vielfältig und doch haben sie eines gemeinsam: Resignation! Wer diese Ausflüchte benutzt und sich verinnerlicht, hat innerlich resigniert, ist demotiviert, sagt sich: Irgendwann wird mein Einsatz honoriert, aber bis dahin muss ich unten durch. Das Tragische dran ist, dass der Einsatz nie honoriert wird. Denn gute Esel bleiben Esel. Ein Esel ist kein Pferd und schon gar nicht ein Alphatier. Ein Esel bleibt ein Esel, und zwar genau so lange, bis er auf die Hinterfüsse steht und anfängt, sich zu wehren. Aber das geschieht selten. Und wenn, dann legt einem womöglich ein Burnout das Handwerk. Und dann ist es ohnehin gelaufen. Unten durch bis zur Erschöpfung bzw. bis die Gesundheit ruiniert ist.

Zu meiner zweiten Frage: „Warum ändert ihr nichts an der Situation?“ gibt es ebenfalls unzählige, kreative Antworten. Zum Beispiel diese: „Ich kann nichts ändern“, „Es liegt nicht in meiner Macht“, „Dafür habe ich kein Geld“, „Es kommen schon bessere Zeiten“, „Wie sollte ich denn etwas ändern?“ oder auch „Was sollte ich denn ändern?“ usw. Und ihr kennt mich mittlerweile. Mein Leben ist von Veränderungen geprägt. Man könnte schon fast behaupten, dass ich süchtig bin danach, mein Leben zum Besseren zu verändern (sollte das nicht jeder sein?). Risiko – ja, bitte! Aber ich weiss, dass das nicht alle können und ich sage noch nicht einmal, dass mein Veränderungswahn immer positiv ist oder einen erfreulichen Ausgang findet. Aber mal ehrlich: Wer soll denn etwas an eurer Situation ändern, wenn nicht ihr? Wer soll denn euer Leben verbessern, wenn nicht ihr? Wer – wenn nicht ihr – wünscht euch das Beste? Wer – wenn nicht ihr – hat es verdient, einen anständigen Job auszuüben und dafür entsprechend entlohnt zu werden? Aber ich weiss, dass es nun mal bequemer ist, im Trott zu verweilen und mit dem Strom zu schwimmen als auf die Hinterbeine zu stehen und sich endlich aufzurichten.

Was mich diesbezüglich auch noch beschäftigt ist euer Privatleben. Ständig verschiebt ihr Abmachungen, weil ihr länger im Büro bleiben müsst, oder ihr seid hundemüde, wenn ihr doch erscheint. Und dann dreht sich ohnehin alles um eure Arbeit: Wie viel ihr zu tun habt und wie ihr vermeintlich unersetzbar seid („Ohne mich würde das Unternehmen einer Katastrophe entgegensteuern“ oder „Mein Chef schätzt meinen Einsatz so sehr, dass er mich am Sonntagabend zu sich nach Hause zum Abendessen eingeladen hat“ – echt jetzt? Dann müsst ihr an eurem theoretisch freien Sonntagabend auch noch die Fressen des Chefs und seiner Familie anschauen und tun, als ob ihr nicht viel lieber mit eurer eigenen Familie grillieren würdet?). Euer Privatleben konzentriert sich auf zwei Tage (wenn überhaupt): Samstag und Sonntag. Und da ihr am Freitagabend ohnehin praktisch nahe an einem Koma seid, wacht ihr samstags auf und wisst, dass jetzt der ganze Haushalt wartet und die Kinder wollen auch noch betreut und bespasst werden. Halleluja. Und so sieht euer Wochenende aus. Ihr unternehmt vielleicht noch etwas mit der Familie – man kann es sich schiesslich leisten (oder vielmehr: Das ist die Belohnung dafür, dass eure Kinder unter der Woche spurten und nicht auch noch an euch zehren) und ehe man sich versieht, naht der Sonntagabend und ihr blickt deprimiert der kommenden Woche entgegen, die Wochen bis zu den vom Arbeitgeber verordneten Zwangsbetriebsferien zählend.

Falls ihr noch einen weiteren „Schub“ braucht, empfehle ich euch wärmstens ein Buch: „Mach es einfach!: Warum wir keine Erlaubnis brauchen, um unser Leben zu verändern“ von Ilja Grzeskowitz.

(Quelle Beitragsbild: https://ahmadinasreen.wordpress.com/2013/10/17/die-arbeitssklaven-des-emirats/)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s