Das Leben durch das Smartphone sehen

Kürzlich habe ich wieder mal eine längere Velotour unternommen. Ganz alleine. Mit mir selbst in Gedanken, einfach nur ich und die Welt. Ich kam an den schönsten Plätzen vorbei, die es in meiner Gegend gibt – an den für mich schönsten Plätzen. Zum Beispiel am See. Ich liebe den See. Es war sommerlich heiss und ich kam an unzähligen Menschen vorbei, die in Hemd und mit Krawatte ihren Mittag am See verbrachten. Ich dachte nur: Wie bemitleidenswert, dass diese Menschen an einem der schönsten Tage im Jahr eingezwängt in ihren Anzügen arbeiten müssen. Wenigstens verbringen sie ihre Mittagspause an einem idyllischen Ort am Seeufer auf der Bank. Und schlingen ihren Fertigsalat samt E-durchtränkter Fertigsauce herunter. In der einen Hand die Plastikgabel, in der anderen das Smartphone.

Und ich fragte mich: Warum bloss müssen wir immer und überall unser Smartphone in der Hand halten? Warum müssen wir immer alles fotografieren? Warum wollen wir immer mit jemand anderem und an einem anderen Ort sein, als wir gerade sind? Nicht, dass ich da ausgenommen wäre. Aber es lohnt sich, die Sache einmal zu hinterfragen. Warum müssen wir immer alles mit dem Smartphone festhalten für später? Mal ehrlich, wie viele Fotos von Sonnenuntergängen am Meer habt ihr? Und habt ihr die Sonnenuntergänge durch euer Smartphone bewundert?

Egal, wo wir sind und egal, was wir tun, unser Smartphone ist immer bei uns. Zuweilen macht mir das sogar etwas Angst (oder Sorgen?). An die ständige Erreichbarkeit habe ich mich längst gewöhnt. Mühe habe ich hingegen grundsätzlich mit dem Gerät und meiner Abhängigkeit. Da sich mein Smartphone langsam vom Leben verabschiedet und ich bald in die Ferien fliege, habe ich mich gefragt, was wohl wäre, wenn es ausgerechnet dort definitiv den Geist aufgeben würde. Ich wäre hoffnungslos aufgeschmissen und überfordert. Ich könnte meine Route nicht mehr nachschauen, unterwegs im Starbucks keine Hotels buchen und am schlimmsten wäre wohl der gekappte Kontakt zu zuhause. Bin ich zuhause, habe ich Kontakt mit Menschen im Ausland, bin ich im Ausland, stehe ich im ständigen Kontakt mit den Menschen zuhause. Bin ich gestört?

Wie dem auch sei. Es gibt wohl Entwicklungen (Innovationen – um nicht auch noch zu sagen: Fortschritte), die sich einerseits nicht mehr rückgängig machen lassen und zweitens unser Leben nachhaltig beeinflussen. Das Smartphone, das Internet, der PC, ja sogar mein geliebter Roboter-Staubsauger gehören zweifellos dazu. Das Einzige, was uns wohl bleibt, ist, einen normalen, gesunden Umgang mit all diesen Geräten zu finden und für die kommenden Generationen Vorbild zu sein. In diesem Sinne schalte ich jetzt mal meinen PC aus…

(Quelle Beitragsbild: http://blog.patricia-jane.com/wp-content/uploads/2016/02/Kann-es-sein-dass-du-Smartphone-süchtig-bist2.png)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s