Zwei Jahre

Zwei Jahre. Ist dir klar, dass wir uns vor zwei Jahren kennen gelernt haben? Seitdem hattest du jede Chance, jede Priorität. Du warst stets die Nummer eins. Meine Taube. Nie hätte ich dich für einen Spatzen hergegeben. Niemals! Du machtest mir immer wieder Vorschläge, wolltest mich sehen, mich treffen, mit mir sein; warst auch mit mir, bei mir. Die letzten zwei Jahre waren ereignislos. Unsere Momente beschränkten sich auf Tage – nie auf Nächte. Zwei Abende verbrachten wir gemeinsam. Und dennoch: Ein Blick von dir und ich bin dein. Dein.

Seitdem ich dich kenne, war ich nie mit einem anderen Mann. Zwei Jahre lang. Das würdest du mir nicht glauben. Und ich bete zu Gott, dass nicht du der Grund dafür bist. Und dann kam ein Tag, der alles veränderte. Nein, alles ist etwas übertrieben, aber immerhin das: Ich habe dir nicht zugesagt. Bei Gott – die letzten zwei Jahre gab es keinen Grund auf dieser Welt, für den ich dich abgewiesen hätte. Stets hätte ich die andere Verabredung abgesagt, völlig egal, um welche Verabredung es sich handelte.

Ich habe realisiert, dass es uns nicht gibt und nie geben wird. Wir sind lediglich ein illusorisches, gedachtes Konstrukt, das nur in einer Situation existiert: Wenn wir zusammen sind. Wir reden in Konjunktiven – du fragst mich: Was wäre, wenn…? Tja, was wäre wohl, wenn…? Ich weiss es nicht und du auch nicht. Du denkst, es wäre perfekt, wenn es bloss sein dürfte – wenn wir wir sein könnten. Vielleicht hast du Recht. Aber wir wissen es nicht und wir werden es nie erfahren. Vermutlich wären wir gar nicht so perfekt, wie wir immer glauben. Wir idealisieren unsere Welt, wir idealisieren auch einander – wir haben nie Stress, denn wir haben nie einen Alltag. Wir kennen nur die schönsten Seiten voneinander. Wir teilen nur schöne Momente, wir verabreden uns, damit es uns gut geht. Und es geht uns gut. Mit dir zu sein, erfüllt mich, erfüllt dich. Aber wenn du gehst, hinterlässt du keine Leere in mir. Ich vermisse dich nicht, ich sehne mich höchstens manchmal nach mehr als ist. Du fehlst mir nie und trotzdem weiss ich, dass ich für dich jederzeit alles stehen und liegen lassen würde. Wenn du mich brauchen würdest, wäre ich da. Wenn ich dich brauche, bist du da, das hast du mir bewiesen. Ich denke an dich, selbst wenn wir uns monatelang nicht sehen oder hören. Und dann meldest du dich bei mir und es ist, als wärst du nie weg gewesen.

Jetzt weiss ich, dass es Zeit ist, dich gehen zu lassen. Es ist aber auch Zeit, dass du mich gehen lässt. Ich will nicht mehr konjunktivieren. Ich bin Realistin: Uns wird es nie geben. Und wenn ich ehrlich bin, ist das in Ordnung für mich. Ich würde dich niemals aus deiner Welt reissen wollen, dafür bedeutest du mir viel zu viel. Ich würde niemals in deine Welt eindringen wollen und das weisst du. Das macht dich sicher. Das gibt dir das Gefühl, dich jederzeit bei mir melden zu dürfen, denn du weisst, dass ich da bin, dass du dich auf mich verlassen kannst. Und ich lasse dich los, lasse dich wie (m)eine Taube davon fliegen. Es ist Zeit, dass sich unsere Wege – die nie unsere waren – trennen, dass wir die Wege gehen, die wir eingeschlagen haben (vor allem du), dass wir nicht mehr um uns trauern; darum, dass wir nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren; darum, dass wir uns zu spät begegnet sind; darum, dass es ohnehin unüberwindbare Hürden gegeben hätte, wären wir uns rechtzeitig begegnet.

(Quelle Beitragsbild: https://wolkengedanken.wordpress.com)

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