Herr, gib mir die Kraft, das Unabänderliche zu ertragen…

Die Dinge sind, wie sie sind, ob sie nun gut sind oder schlecht. Einiges können wir ändern, anderes nicht. Es gibt da dieses Zitat von Franz von Assisi: „Herr, gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Gelassenheit, das Unabänderliche zu ertragen und die Weisheit, zwischen diesen beiden Dingen die rechte Unterscheidung zu treffen.“ Ein wunderschönes Zitat, wie ich finde. Einige meiner Blog-Leser kritisieren mich dafür, dass ich immer dafür plädiere, die Dinge, die uns nicht passen, zu ändern. Und sie haben Recht, meine Blog-Leser! Es gibt wohl tatsächlich Dinge im Leben, die wir nicht ändern können. Aber die Weisheit, wie Assisi schon im 12./13. Jahrhundert wusste, besteht darin, zu unterscheiden, was wir ändern können und was nicht und nur ersteres anzugehen.

Vieles, was uns widerfährt, können wir nicht ändern. Diese Dinge müssen wir dann tatsächlich ertragen. Dennoch können wir versuchen, daraus eine Lehre zu ziehen oder die Dinge zumindest anzunehmen, zu akzeptieren, mit ihnen zu leben.

Wann wart ihr das letzte Mal an einem Friedhof? Wenn ich manchmal an einen Friedhof gehe, erschüttern mich die Gräber junger Menschen und von Kindern. Auf manchen Friedhöfen gibt es sogar eigens für Kinder eingerichtete Grabstätten. Diese erfüllen mich mit tiefster Trauer und Empathie für die Familien. Das sind solche Ereignisse, die uns erschüttern, prägen, die uns zu anderen Menschen machen als wir davor waren. Und daran können wir nichts, aber rein gar nichts ändern. Wir können lediglich in einem vermutlich lebenslangen Prozess versuchen, unsere Schicksalsschläge anzunehmen, zu akzeptieren und damit klar zu kommen. Es gibt Menschen (wohl solche, die noch nie etwas in dieser Art erlebt haben), die dir sagen: Die Zeit heilt alle Wunden. Ich hatte und habe immer Mühe mit diesem Spruch. Ich weiss nicht, ob die Zeit alle Wunden heilt. Ich weiss noch nicht mal, ob die Zeit die Wunden vernarben lässt. Aber was ich weiss, ist, dass die Zeit hilft.

Zu den Dingen, die wir nicht ändern können, gehören auch Krankheiten und Unfälle, die uns lebenslang verändern. Auch das sind manchmal Lebensereignisse, die wir nicht aus eigener Kraft ändern können. Ich habe grössten Respekt vor Menschen, die es schaffen, solche Schicksalsschläge zu erdulden und lernen, damit zu leben. Und wir denken immer, dass solche Dinge nur anderen zustossen. Aber das stimmt nicht. Nicht, dass wir in der Angst leben sollten, dass jeden Tag etwas passieren könnte, das unsere heile Welt, die von Leistungsdruck und Statussymbolen beeinflusst wird, erschüttern kann. Wir alle wissen, dass dem so ist und trotzdem sollten wir nicht in dieser Angst vor etwas Schrecklichem leben. Dennoch ist es unbestreitbar, dass jedem von uns jederzeit etwas zustossen kann, womit er/sie nicht klarkommt. Diese Dinge können wir oft tatsächlich nicht ändern.

Wenn ich sage: Ändert euer Leben zum Guten, dann meine ich: Verändert, was verändert werden kann, was verändert werden will, was ich in euren Händen liegt, was ihr beeinflussen könnt – wenn es euch nicht glücklich macht. Gleichzeitig meine ich aber auch: Ich wünsche euch viel Kraft dabei, die Dinge zu akzeptieren, die ihr nicht ändern könnt – damit zu leben und zu versuchen, euch in den schlimmsten, traurigsten, schmerzvollsten Momenten in eurem Leben an den kleinen Dingen zu erfreuen.

Die kleinen Dinge sind das, was unser Leben lebenswert machen. Scheint die Sonne, dann geht raus, riecht die Sommerluft, den Sommerduft, atmet die Luft ein, lasst sie in eure Lungen. Die kleinen Dinge sind auch das, was wir manchmal viel zu wenig beachten und schätzen. Es ist manchmal nur ein Blick, ein Lächeln, eine kleine Berührung, ein liebes Gespräch, eine tiefe Umarmung. Es sind nicht immer Meilensteine, die uns glücklich machen. Glücklich machen uns die alltäglichen Dinge, die wir verlernt haben, zu schätzen, die aber tagtäglich ein Lächeln auf unser Gesicht zaubern. Es muss nicht immer das Ultimative sein, damit wir glücklich sind. Manchmal genügt auch die goldene Mitte. Wirklich! Es muss nicht immer alles perfekt sein, damit es schön ist. Es muss nicht immer alles extravagant sein oder teuer oder einmalig oder atemberaubend.

In diesem Sinne noch einmal: „Herr, gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Gelassenheit, das Unabänderliche zu ertragen und die Weisheit, zwischen diesen beiden Dingen die rechte Unterscheidung zu treffen.“

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