Neulich in der Business Class…

Neulich hatte ich wieder einmal unglaublich viel Glück: Mein Langstreckenflug wurde wegen Überbuchung „ge-upgradet“ und ich wurde kurzerhand in die Business Class versetzt. Zunächst wollte ich es kaum glauben, aber auf meinem neuen Boarding Pass stand tatsächlich BUSINESS CLASS. Wow! Die Dame am Schalter wies mich freundlicherweise auf die Business und First Class Lounge hin, die sich nicht weit von meinem Gate befand.

Ohne grosse Erwartungen ging ich in die Lounge, zugegebenermassen etwas underdressed, weil ich grundsätzlich immer bequem fliege. Ich versuchte, mich einigermassen gewohnt zu geben, war innerlich aber total aus dem Häuschen. Nachdem der Türsteher mein Ticket eingescannt und mir einen wunderschönen Aufenthalt in der Lounge gewünscht hatte, trat ich nun also in die Welt der Business und First Class Kundschaft ein. Es eröffnete sich eine neue Welt – ich war im Himmel angelangt! So also fühlt es sich an, wenn man die Pforte des Himmels passiert! Dass ich das zu meinen Lebzeiten erlebe, hätte ich wohl eher für unmöglich gehalten (dennoch hatte ich still und heimlich darauf gehofft, dass mir dies eines Tages passieren würde, zumal ich auch schon davon gehört hatte). Die Lounge war in modernem Design mit Blick auf die Flugpiste. Ein Traum. Zu konsumieren gab es, was das Herz begehrt – von frischen Salaten über Cookies, Coca Cola, Wein, Champagner, Tee, Kaffee, Cognac usw. Selbstverständlich alles umsonst. Man zahlt ja eh schon genug für die Business-/First Class. Ich konnte mein Glück kaum fassen – da war ich nun mit den 2% (oder so) Menschen, die sich einen solchen Langstreckenflug leisten konnten. Da war ich – ich einfache Person, die sich sonst immer in die Economy Class zwängt, in diesen Momenten dankbar dafür, dass ich eher zu den kleineren Menschen gehöre. Dankbar für die kurzen Beine. Dankbar grundsätzlich für die schmächtige Statur. Da war ich nun und hatte in dieser Lounge Platz, wie viel ich wollte und konnte auswählen zwischen bequemen Sesseln und Ladestationsarbeitsplätzen. Was mich wohl erst in der Luft erwarten würde, wo ich mich doch schon hier am Boden wie im Himmel fühlte?

Ich kostete alle Benefits aus – ich ass, trank, zog mich in den geräumigen Restrooms um, spazierte hin und her, liess meinen Blick über die wenigen Menschen schweifen, die den Moment mit mir teilten (und wahrscheinlich gar nicht zu schätzen wussten, was sie da haben). Das VIP-Wifi war ausgezeichnet und ich konnte es ohne Einschränkung nutzen.

Beim Boarding stellte ich mich, wie es sich eben gehört, in die Reihe für die Business-/ First Class Fluggäste – ich wollte nichts ungenutzt lassen. Gut fühlte es sich an, ein mal im Leben bevorzugt behandelt zu werden. Ich kam mir aber auch etwas seltsam vor – zu wissen, dass alle anderen Fluggäste ein Vielfaches von dem, was ich bezahlt hatte, hingeblättert haben und ich einfach so den Luxus in Anspruch nehmen konnte. Aber jeder hat mal Glück, nicht wahr?

Freundlich auf meinen Platz verwiesen und nachdem mir mein Handgepäck vom Personal de Cabine verstaut wurde, machte ich es mir gemütlich. Ich war total aus dem Häuschen. Zum ersten Mal in meinem Leben inspizierte ich die Business Class etwas genauer. Sonst versuchte ich, die Business Class beim Durchgehen zu ignorieren, wohlwissend, dass mich dahinter eine Sardinenbüchse erwarten würde, die für mehrere Stunden mein Zuhause sein würde. Jetzt aber schaute ich mich um – was es da alles zu entdecken gab! Sogleich wurde ich freundlich vom Personal aus meinem Tagtraum wachgerüttelt – ich möge doch bitte mein Frühstücksmenu auswählen. Also kreuzte ich an: Frisches Obst, frisches Brötchen, schweizer Käse, Nespresso Espresso (das einzige Mal, dass ich in einem Flugzeug einen sensationellen Kaffee getrunken habe), Joghurt aus schweizer Kuhmilch usw. Ob man mich für das Frühstück wecken solle? Ja, bitte (das wollte ich mir auf gar keinen Fall entgehen lassen). Nachdem die „lästige“ Pflicht erfüllt war, liess ich mich in den Sitz gleiten. Ach so, der Sitz hat eine Massagefunktion! Na gut, probieren wir die doch mal aus! Genial! Links und rechts von mir: Niemand. Ich hatte einfach Platz. Im Sitzen konnte ich mich ausstrecken, im Schneidersitz sitzen, mich rekeln und strecken, wie ich wollte. Meine Arme ausbreiten – alles kein Problem. So fühlt es sich also an, dachte ich mir. Und es fühlte sich verdammt gut an, das sage ich euch!

Als wird dann in der Luft waren, dachte ich: Ich komme nicht schneller am Zielort an, aber wesentlich bequemer und komfortabler. Und alle sind so wahnsinnig nett zu mir! Dass man Freundlichkeit kaufen kann…doch, das hätte ich schon gedacht. Langsam aber sicher wurde dann der Apéro serviert: Eine Variation an Nüsschen in einer Keramikschale. Dazu wählte ich einen Champagner (Rosé gab es leider nicht – welch eine Schmach). Notdürftig trank ich also den Champagner aus einem echten Glas. Zwei Mal schenkte die Dame nach. Mehr wollte ich nicht, schliesslich wollte ich meinen Aufenthalt an Bord in vollen Zügen und bei vollem Bewusstsein geniessen. Weiter geht’s: Ich konnte zwischen vier verschiedenen Menüs auswählen und entschied mich fürs Rindsfilet mit frischem Marktgemüse. Zum Dessert gab es eine Käsevariation und ein Schokoladen-Kokos-Törtchen. Selbstverständlich vom Schweizer Chocolatier. Wie es sich gehört. Das Abendessen schmeckte vorzüglich. Später schaute ich mir einen Film an (der Bildschirm ist selbstverständlich grösser als in der Economy Class) und entschied mich dann, ein Nickerchen zu machen. Der Sitz liess sich völlig ausfahren, sodass ich ausgestreckt auf meinem Luxuskissen liegen konnte. Stellt auch das einmal vor! Ihr liegt auf einem Bett im Flugzeug und ihr wisst, dass ihr euch hin und her bewegen könnt, wie es euch beliebt – und es stört keinen! Damit ich mich noch wohler fühlte, packte ich das kleine Willkommensgeschenk der Airline aus: Kuschelsöckchen, Augenbinde etc. Und ich fühlte mich pudelwohl, das kann ich euch versichern!

Am Morgen wurde ich dann sanft vom Personal geweckt und nachdem man gewartete hatte, dass ich die Morgentoilette verrichte, brachte man mir mein Frühstück – alles, was ich ausgewählt hatte. Ich genoss mein Frühstück wie selten zuvor. Ach, ist das Leben schön, dachte ich. Und mit Erschrecken stellte ich fest, dass die Landung schon in einer Stunde sein würde. Wie schade, dachte ich! Ich könnte mich noch stundenlang bedienen lassen und das Leben geniessen. Aber eben, alles geht einmal vorbei. Leider.

Nach der Landung wurde mir mein Handgepäck gereicht und wir wurden zuerst entlassen. Mein Koffer wurde dank eines Priority Klebers bevorzugt behandelt, weshalb ich ihn schneller als alle anderen (ausser First Class Kunden) in den Händen hielt und meinen Ausflug in der Business Class schweren Herzens beenden musste.

So fühlt es sich also an, eine very important Person zu sein…

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