Ich kündige. Wieso der Neid?

Seitdem es kein Geheimnis mehr ist, dass ich meine Stelle gekündigt habe, ernte ich viel Neid (oder Bewunderung?). Ich merke, wie die Menschen einerseits völlig schockiert sind, dass man kündigt, ohne eine neue Stelle in Aussicht zu haben. Aber ich merke anderseits auch, dass mich die allermeisten Menschen wirklich beneiden und sie sagen es mir auch so. Eine Stelle zu kündigen – eine Sicherheit aufzugeben –, ohne eine neue Stelle wenigstens in Aussicht zu haben, stellt ein Risiko dar. Und dieses Risiko gilt es zu nehmen. Ist das Leben nicht per se ein Risiko? So viele Entscheidungen treffen wir, warum also nicht auch diese? Diese wichtige?

Es ist so: Ich habe vor einem Monat gekündigt. Und heute habe ich noch keine neue Stelle in Aussicht. Ich merke, wie ich langsam etwas nervös werde (jetzt schon?), obwohl ich weiss, dass ich noch eine ganze Weile arbeiten werde, bis die Kündigungszeit vorbei ist. Und trotzdem: Nicht zu wissen, was danach ist, macht auch mich unsicher und etwas nervös zugleich. Ich sage auch, weil ich mich anderseits noch nie so frei gefühlt habe. Ich weiss, dass das der Moment in meinem Leben ist, in dem ich einen neuen Weg einschlagen kann. Wenn dann die Sterne (oder was auch immer) günstig stehen. Und sie werden günstig stehen, darauf vertraue ich.

Eine Freundin sagte mir kürzlich, jeder Schritt, den man gehe, sei ein Schritt vorwärts. Und sie hat so Recht damit! Ich finde auch, dass jede Entscheidung, die man trifft, ein Schritt vorwärts ist, selbst wenn man nachher wieder auf den Weg zurück geht, den man schon einmal eingeschlagen hatte.

Sagt man, man habe gekündigt, sind die Menschen schockiert, konsterniert, ja geradezu völlig hilflos. Und dann immer die Frage: Hast du eine neue Stelle? Nein, die habe ich nicht. Wieso hast du gekündigt? Weil mir danach war. Ja, einfach nur, weil mir danach war, weil ich gefühlt habe, dass ich das tun müsse. Mag sein, dass ich Veränderungen liebe. Mag sein, dass ich mich immer wieder selbst auf die Probe stelle, indem ich mich in eine Risikosituation begebe, mich zwinge, aus meiner Comfort-Zone herauszutreten. Mag sein, dass ich auch gerne mal – für eine gewisse Zeit – die Ungewissheit mag. Sie rüttelt mich auf, hilft mir, mich auf das Wesentliche zu besinnen, in mich hinein zu horchen und mir die Frage zu stellen: Was will ich eigentlich noch in meinem Leben? Ja, was will ich denn noch? Ach, noch so viel. Mal dieses, mal jenes, aber die Richtung ist mir klar. Ich weiss, in welche Richtung ich gehen will und dieser Schritt ist ein Schritt in die richtige Richtung, selbst wenn der nächste Schritt noch völlig unklar ist.

Natürlich macht mich die Ungewissheit auch unsicher. Sie reisst mir den Boden unter den Füssen weg. Ja, ich weiss nicht, wie es weitergeht, aber ich weiss, dass es weitergeht. Und ich bin zuversichtlich, dass es in eine gute Richtung weitergeht. Woher ich das weiss? Ich vertraue darauf. Ich vertraue auf mich, ich vertraue auf das Leben, auf das Glück, auf die Menschen um mich herum. Ich vertraue auf mein Land, auf die Möglichkeiten, auf die Chancen. Seien wir ehrlich: Wer sich nie aus seiner Comfort-Zone traut, wird niemals eine Chance bekommen und sie schon erst recht nicht ergreifen.

 

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