Seid ihr glücklich? Und kann man Glücklich-Sein trainieren?

Die Frage nach dem Glück und dem Glücklich-Sein beschäftigt mich seit langer Zeit. Immer wieder stelle ich mir selbst die Frage: Bin ich glücklich? Wenn ich gerade nicht auf eine Katastrophe zusteuere (was natürlich hie und da mal vorkommt), würde ich mich grundsätzlich als glücklich bezeichnen. Im Moment steuere ich keiner Katastrophe entgegen (oder ich weiss zumindest nichts davon) und, um ganz ehrlich zu sein, im Moment ist mein Leben gerade eine einzige, lange währende Glücksphase.

Ich frage mich allerdings auch jeweils – inspiriert von Gesprächen mit Mitmenschen – inwiefern Glück eigentlich mit haben und inwiefern mit sein zusammenhängt: Bin ich glücklich, weil ich einen coolen Job, eine erfüllende Beziehung, genug Geld habe, um meine Bedürfnisse zu befriedigen (wobei die Bedürfnisse in starkem Zusammenhang zu den vorhandenen Mitteln stehen und somit variieren können und flexibel sind)? Oder bin ich glücklich, weil ich ich bin, weil ich mich mit mir beschäftige und damit, der im Rahmen meiner Möglichkeiten beste Mensch zu sein? Wahrscheinlich ist Glücklich-Sein eine Kombination aus beidem – also aus haben und sein.

Wenn es uns gelingt, unsere Fähigkeiten und Talente zu entfalten, uns weiter zu entwickeln, selbständig und damit auch erfolgreich zu sein, für unser Können und damit auch für unser Sein geschätzt zu werden und Anerkennung zu erfahren, steigt unser Selbstwertgefühl; wir sind zufriedener und damit auch glücklicher. Natürlich gilt es dabei, ein Minimum an haben zu generieren – ein gemütliches Zuhause, Zugang zu Bildung, Weiterbildung, medizinischer Versorgung und allem, was einen besorgen und damit auch unglücklich machen würde, wenn es nicht vorhanden wäre.

Die Schwierigkeit im Umgang mit Glück bzw. in der Beantwortung der Frage „Bin ich glücklich?“ liegt vor allem darin, dass Glück und Glücklich-Sein abstrakte Begriffe sind. Es ist nun mal viel einfacher – und konkreter –, das Glücksgefühl in der Lohnerhöhung zu suchen (und zu finden – zumindest für einen Moment) als die Frage nach dem Glücklich-Sein über längere Zeit hinweg zu beurteilen. Aber genau das ist ein Fehler: Indem wir uns auf externe Faktoren konzentrieren und ihnen erlauben, vermeintlich unser Glücksgefühl zu beeinflussen, verlieren wir uns selbst: „Denn zahlreiche psychologische Studien weisen nach, dass extrinsische Belohnungen andere Gefühle unterminieren. Vor allem geht die intrinsische Motivation für eine Tätigkeit verloren – also die Freude am Tun, der Spass an den nichtmateriellen Aspekten einer Arbeit. Und zweitens verflüchtigt sich der psychologische Kick, der etwa mit einem Bonus oder einer Gehaltserhöhung verbunden ist, sehr schnell. Wir gewöhnen uns nach kurzer Zeit an Erfolge und Gewinne. Aber sie sind nicht Mittel zum (Glücks-)Zweck, sondern eher ein ‚Zwischenziel’. Und deshalb müssen wir ‚nachlegen’: mehr Geld, mehr Ansehen, mehr Macht.“ (Psychologie Heute 9/2016, S. 24). Ich glaube, wir alle haben diese Erfahrung gemacht: Ein Bonus macht uns im Moment zwar glücklich, wir können uns Träume erfüllen und Bedürfnisse befriedigen, die vielleicht schon länger darauf warten, aber alles in allem erhöhen sie nicht längerfristig unsere persönliche Glücksbilanz. Das weiss ich von mir selbst und ich nehme an, dass die meisten von euch ähnlich funktionieren – Ausnahmen vorbehalten. Wenn es also nicht die extrinsischen Faktoren sind, die unsere persönliche Glücksbilanz längerfristig oder gar langfristig positiv beeinflussen, was ist es dann? Kann Glück nur von mir selbst abhängig sein? Nein. Aber lest weiter!

Erstens muss jeder für sich selbst eine Definition von Glück und Glücklich-Sein definieren. Stellt euch die Frage, wann ihr das Gefühl habt, am richtigen Ort zur richtigen Zeit mit den richtigen Menschen zu sein und das Richtige zu tun? Wann seid ihr überwältigt von diesem Gefühl, dass alles stimmt? Wann erfahrt ihr die für euer Glücklich-Sein nötige Zuwendung, Anerkennung, Geborgenheit? Speichert dieses Gefühl, speichert den Moment und die Situation in euch ab, erinnert euch immer wieder daran, was und wie es war, als ihr dieses unendliche Glücksgefühl erfahren habt. Und sucht euch immer wieder solche Momente – und zwar im Alltag und nicht nur in den Ferien oder am Wochenende.

Zweitens: Perfektioniert euren Altruismus! Was das heisst? Tut einfach mal etwas für andere, ohne dafür selbst belohnt zu werden, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, ohne die Perspektive, dass man das zurückbekommt, wenn man etwas für andere tut. Seid einfach mal gut zu anderen, ohne zu erwarten, dass es andere auch für euch sind. Ihr werdet sehen: Altruismus macht Spass und beeinflusst euer persönliches Glücksgefühl in einem sehr hohen Masse.

Drittens: Die Vermeidungstaktik! Vermeidet alles, was euch erfahrungsgemäss unglücklich macht; das können Menschen sein, die euch herunter ziehen, das kann der Job sein, das kann so viel sein.

(Inspirationsquelle: Psychologie Heute 9/2016, S. 19-25. Quelle Beitragsbild: http://www.stern.de/familie/beziehung/wie-sie-gluecklich-und-gesund-leben-6730054.html)

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