Über das krampfhafte Festhalten an der eigenen Beziehung

Wer kennt es nicht: Wir führen eine Beziehung und wissen genau, dass diese Beziehung schon lange ihren Höhepunkt überschritten hat und nun ohne Halt ins Nichts stürzt. Oder sie ist konstant auf einem tiefen Niveau – die Beziehung ist meistens in Ordnung, aber auch nicht das Wahre. Es ist o.k, man versteht sich gut, kennt den anderen, man ergänzt sich in alltäglichen Dingen und belügt sich damit, dass es alleine auch nicht besser wäre.

Ihr kennt mich. Ich bin da ziemlich unkompliziert: Wenn ich nicht über lange Phasen hinweg das Gefühl habe, dass diese Beziehung die beste ist, die ich im Stande bin zu führen, dann ist sie meiner Meinung nach sinnlos. Warum? Weil ich nicht lieber den Spatzen habe als die Taube. Ich will nicht mit jemandem zusammen sein im Wissen, dass ich mir ein Leben ohne diese Person vorstellen kann. Nicht, dass ich das nicht auch schon erlebt hätte. Habe ich. Und ich habe ausgeharrt – so schlimm war es dann doch nicht. Ich habe ausgeharrt – denn ich hatte Angst vor der Trennung, vor dem, was eine Trennung bedeuten würde; vor dem, was auf mich zukommen würde, wenn ich allein wäre. Aber ich funktioniere nun mal so: Wenn ich weiss, dass es vorbei ist, dann distanziere ich mich. Ich bin in allen Lebenslagen so: Wenn der Output für mich persönlich den Input nicht rechtfertigt, dann gehe ich. Und ich bin schon tausendmal gegangen – habe Menschen verlassen, Freundschaften beendet, gekündigt. Und wenn ich gehe, schaue ich nicht zurück. Ich gehe nicht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wenn ich so weit bin, zu gehen, dann gehe ich erhobenen Hauptes und mit einem Lächeln auf den Lippen, denn ich weiss, dass ich etwas verlasse, was mich nicht glücklich macht.

Ich habe den Anspruch an eine Beziehung, dass sie mein Glücklich-Sein ergänzt. Nicht die Beziehung oder der Partner sind dafür da, mich per se glücklich zu machen. Dafür bin ich schon selbst verantwortlich – ich bin die Schmiedin meines ganz persönlichen Glücks. Aber nachhelfen, ergänzen, vielleicht sogar potenzieren sollte in einer Beziehung schon drin liegen. Aber das ist meine Auffassung von Liebe. Ich bin nicht glücklicher, nur weil ich eine (verkorkste, aber immerhin) Beziehung führe. Ich bin nicht glücklicher, nur weil ich (irgend) einen Partner habe. Aber so funktioniert nicht jeder.

Und ich sehe immer wieder in Beziehungen rein und verstehe nicht, weshalb die Menschen ihre Zeit vergeuden. Ja, wir sind jung. Ja, wir haben alle Optionen offen, aber wieso nutzen wir sie nicht? Ja, wir sind selbst für unsere Beziehung und unsere Entscheidungen verantwortlich. Aber warum ist es nicht legitim, einmal gefällte Entscheidungen zu revidieren? Manchmal brauchen wir Zeit, um heraus zu finden, ob eine Entscheidung richtig ist – und zwar nicht zum Zeitpunkt ihres Fällens, sondern eben auch zu einem späteren Zeitpunkt. Was ich früher einmal wollte, muss ich nicht zwingend auch heute wollen. Oft ist es sogar besser, wenn ich es zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr will – denn dann habe ich mich weiterentwickelt. Wenn ich jemanden wollte und ihn später nicht mehr will, ist das völlig legitim. Menschen lernt man erst mit der Zeit kennen. Zudem verändern wir uns auch mit der Zeit. Wenn zwei Personen zu einem Zeitpunkt gut zueinander passen, müssen sie zehn Jahre später nicht zwangsläufig noch zueinander passen. Vielleicht haben sie sich ja in verschiedene Richtungen entwickelt oder im Vergleich verzögert weiterentwickelt.

Ich finde es darum durchaus legitim, sich immer wieder die Frage zu stellen: Ist diese Beziehung, ist dieser Partner der, den ich will? Immer noch? Und wenn nicht, könnte ich etwas dafür tun, dass dem so wäre? Und liebe ich den Menschen an meiner Seite wirklich oder verwechsle ich gerade Liebe mit Gewohnheit und Bequemlichkeit? Und wenn ich verletzt worden bin: Wie viel muss ich ertragen? Wie viel Output rechtfertigt den enormen Input? Und gibt es hier überhaupt einen Output?

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2 Gedanken zu “Über das krampfhafte Festhalten an der eigenen Beziehung

    • denkperlerin schreibt:

      Liebe/r Unbekannte/r, das sehe ich genau so. Nur manchmal vergessen wir das im Alltag. Ausserdem ist es nicht ganz einfach – wann merke ich, dass die Beziehung zur Gewohnheit/ Bequemlichkeit wird? Wir schlittern oft hinein und merken es erst spät. Aber ja, ich stimme dir voll und ganz zu – man muss sich bemühen, das Feuer immer wieder neu zu entfachen und ich bin überzeugt, dass das möglich ist, wenn die Beziehung auf Liebe und Vertrauen basiert.

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