Alles unter Kontrolle! Oder: Kontrollzwang.

Kontrollzwang ist schrecklich, nicht wahr? Ich wollte ursprünglich über Menschen schreiben, die unter Kontrollzwang im Alltag leiden und merke aber, dass auch ich daran leide. Hat nicht jeder irgendwie einen Kontrollzwang? Im Wesentlichen unterscheidet sich so ein Kontrollzwang wohl in dreierlei Hinsicht: Man kann dazu neigen, Menschen, sich selbst oder Dinge zu kontrollieren.

Menschen kontrollieren: Das ist wohl die hartnäckigste, unangenehmste und mühsamste Art, den eigenen Kontrollzwang auszuleben. Es gibt Leute, die andere ständig kontrollieren müssen. Dazu gehöre ich definitiv nicht. Mir wäre das zu blöd und ausserdem glaube ich, dass die meisten Menschen einigermassen vernünftig sind. Da muss ich nicht Polizistin spielen. Zudem habe ich ein gewisses Grundvertrauen in meine Mitmenschen. Wir sind fähig, Verantwortung zu übernehmen und zu unserem Handeln zu stehen. Denn wir sind frei in unserem Handeln. Am schlimmsten ist diese Art von Kontrollzwang wohl dann, wenn man als Vorgesetzter seine Mitarbeiter kontrollieren muss oder wenn man seinen Partner kontrolliert. Dann ist man, glaube ich, sowieso am falschen Ort – und zwar in beiden Konstellationen.

Sich selbst kontrollieren: Wenn ich an einem der drei Arten leide, dann wohl darunter, mich gewissermassen selbst zu kontrollieren. Es fühlt sich so wie eine kleine Kontrollinstanz an – mit der ich mich aber ganz gut verstehe –, die grundsätzlich immer das Beste für mich will und mich dazu motiviert, dieses Beste auszuleben. Das kann sich auf die Nahrung beziehen: Lieber den Gemüseauflauf als die Pommes. Oder auf den Sport: Besser einmal mehr Sport treiben als einmal weniger. In vielen anderen Bereichen fehlt mir aber diese Kontrollinstanz. Sich selbst zu kontrollieren, kann natürlich auch krankhafte Dimensionen annehmen. Zum Beispiel dann, wenn die Devise, meistens etwas Gesundes zu essen, in eine Essstörung übergeht oder in andere Suchtarten, exzessiven Geiz oder in andere Einschränkungen, die man sich unnötigerweise auferlegt. Ich glaube, dass eine vernünftige Kontrollinstanz aber zu unserem Wohlergehen beiträgt. Irgendwie muss sich jeder in der einen oder anderen Hinsicht unter Kontrolle behalten.

Dinge kontrollieren: Damit meine ich alles, was nicht in unserer Macht ist. Wir können nicht alles kontrollieren und es ist nicht mal erstrebenswert, das zu tun. Wir können nicht alles beeinflussen und wenn wir so tun, als könnten wir das, stellen wir uns nur selbst ein Bein.

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