Kann man als ewiger Single noch an die Liebe glauben?

Wer ewig Single ist, so wie ich, muss einen Schaden haben. Oder viel zu hohe Ansprüche. Oder beides. Auf jeden Fall gilt man in unserer Gesellschaft nicht wirklich als normal, wenn man mehrere Jahre Single ist. Warum eigentlich?

Es gab Zeiten, in denen ich immer mal wieder Männer gedatet habe. Männer, die mir von Freunden angepriesen wurden, Männer, die ich an einer Weiterbildung kennen gelernt habe. Es gab Zeiten, in denen ich neugierig war. In dieser Phase habe ich viele Männer kennen gelernt. Die meisten davon traf ich nur einmal und blieb mir selbst treu. Ich weiss vielleicht nicht genau, was ich will, aber ich weiss wenigstens, was ich nicht will.

Es gibt wohl vieles, was mich in die Flucht schlägt. Der eine mit einem faulen Zahn, der andere ausländerfeindlich. Geht beides gar nicht. Ein anderer auf den ersten Blick perfekt, entpuppt sich dann aber als totaler Egoist und Langweiler. Und dann die total lieben Männer, die mich aber irgendwie nicht reizen. Nicht, dass mich gute Männer nicht reizen – ich stehe nicht auf Bad Boys –, aber so Lämmchen-Typen, die dir jeden Scheiss hinterher tragen und dich behandeln, als wärst du behindert und das auch noch mit zuvorkommend oder frauenrespektierend verwechseln, finde ich (gelinde gesagt) zum Kotzen.

Auf diese exzessive Dating-Phase folgte eine lange Phase, in der ich mich nicht um dieses Thema gekümmert habe. Ich richtete mir mein Leben ziemlich gut und schön als Single ein und blieb lange dabei. Genau genommen ein paar Jahre. Mein Leben hatte einen Rhythmus, ich hatte einen festen Freundeskreis und erweiterte diesen immer wieder um einzelne Personen. Nicht, dass ich Zeit im Übermass hatte, aber ich war für niemanden sonst als für mich verantwortlich. Ich war glücklich bei der Arbeit, fokussierte mich auf meine Selbstverwirklichung, hatte Träume und erfüllte mir diese. Ich glaube, ich habe nichts ausgelassen in meiner Single-Zeit. Ich hatte alles, was ich wollte und machte nichts, was ich nicht wollte. Ich bereiste die Welt, kaufte mir teure Kleider, liess mich ab und zu auf einen Theaterbesuch mit einem Mann ein, liess es aber dabei bleiben; ich unternahm viel mit Freunden. Wenn ich Lust hatte, ging ich auf Parties, ging auswärts essen, ins Kino, las. Ja, ich las immer viel. Ich liebe lesen. Ohne Bücher wäre ich nur halb ich. Ich habe die Zeit genutzt, um mir alle Wünsche zu erfüllen, die später vielleicht nicht mehr prioritär sein würden.

Ob ich einen Schaden habe? Vielleicht. Gut möglich, ausschliessen kann ich das nicht. Ob ich zu hohe Ansprüche habe? Zweifellos. Ich habe hohe Ansprüche an alles: an mich, an einen Mann, an eine Beziehung, an mein Leben im Allgemeinen, an meine Weiterentwicklung. Ich bin von Natur aus ein anspruchsvoller Mensch. Warum Abstriche machen, wenn es um die Liebe geht? Ich bin nun mal lieber alleine als mir einen Mann zweiter Wahl anzulachen. Ich will kein Leben zweiter Wahl, ich will das beste Leben, das ich im Rahmen meiner Möglichkeiten und Wünsche im Stande bin zu führen. Und vielleicht ein wenig mehr.

Ja, ich glaube noch an die Liebe. Obwohl ich ein Scheidungskind bin. Und trotz aller gescheiterten Beziehungen in meinem Umfeld. Trotz aller gescheiterten Beziehungen, die ich hatte. Gut, es waren nicht so viele, aber gescheitert sind sie trotzdem. Ja, ich glaube noch an diese innige, einzigartige Liebe. Ich weiss nicht, ob sie ein Leben lang hält, aber ich glaube daran, dass es sie gibt.

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