„Du kannst doch jede(n) haben!“

Habt ihr das auch schon erlebt? Menschen sagen manchmal so was wie: „Du kannst doch jeden haben!“ Kürzlich ist mir das passiert. Zugegebenermassen sagen mir das tendenziell eher Menschen, die mich nicht so gut kennen. Die Interpretation überlasse ich euch. Wie auch immer. Dieser Satz – du kannst doch jeden haben – löst in mir doch einiges aus. Drei Gedanken im Folgenden:

Erstens kann kein Mensch jeden haben. Nicht einmal Jennifer Aniston oder Bradley Cooper. Wirklich nicht. Davon bin ich überzeugt. Und schon gar nicht ich. Und du auch nicht. Niemand kann jeden haben. Ich weiss, dass man das so sagt, wenn man denkt, dass es einfach sei für den anderen, jemanden zu finden. Aber einfach ist es für niemanden – vorausgesetzt, man will nicht irgendjemanden. Ich bin zuweilen konsterniert, wenn mir das jemand sagt. Ich weiss nicht, ob ich das jemals jemandem gesagt habe. Nein, gesagt habe ich es vermutlich nie. Gedacht schon. Ja, gedacht habe ich auch schon – meistens über Frauen. Aber es stimmt nicht. Niemand kann jeden haben. Als wenn man einfach mit den Fingern schnipsen könnte und da wären alle „jedermänner“! Und als könnte man dann eine Auswahl und schliesslich eine Wahl treffen. Aber nein, das kann man nicht.

Zweitens: Wer ist jeder? Sagt mal, wer ist eigentlich damit gemeint? Ich kann jeden haben? Wirklich jeden? Nein, natürlich nicht. Es kommt immer auf den Pool darauf an. Jeden von diesem oder jenem Pool. Das mit dem Pool ist übrigens so eine interessante Sache. Es gibt da eine Theorie, wonach jedem Menschen der Zugang zu einem bestimmten Pool möglich ist. Der Zugang zu anderen Pools ist nicht unmöglich, aber sehr erschwert. Hier ein Beispiel: Will ich mir einen Millionär angeln, muss ich mich dort bewegen, wo sich solche Leute aufhalten. Das sind wohl Orte, die ich gar nicht richtig kenne – Superluxushotels, in der First Class im Flugzeug oder vielleicht beim Maserati-Apéro für Eigentümer solcher Autos oder so. Aber mein Zugang zu den genannten Orten ist sehr, sehr beschränkt. Folglich könnte es schwer werden mit dem Millionärspool. Das kann ich bestätigen – mir ist nämlich noch nie einer über den Weg gelaufen, glaube ich wenigstens. Millionäre und Superreiche sind also von meinem persönlichen Pool ausgeschlossen – oder besser gesagt: Ich bin von ihrem Pool ausgeschlossen. Ich habe definitiv keine Berührungspunkte mit Superreichen. Würde ich in einem Luxusresort arbeiten, sähe das wieder anders aus. Tue ich aber nicht.

Drittens erwische ich mich selbst manchmal dabei, wie ich das über andere denke. Es gibt tatsächlich Frauen (über Männer denke ich das seltsamerweise höchst selten), über die ich heimlich denke: Die kann doch jeden haben. Das sind dann meist Frauen, die in meinen Augen „perfekt“ sind: intelligent, attraktiv, erfolgreich; die wissen, was sie können und was sie wollen, Frauen mit Biss, die sich für das Gute einsetzen; Frauen, die eben von anderen Frauen bewundert werden. Es kommt definitiv vor, dass Frauen andere Frauen bewundern.

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2 Gedanken zu “„Du kannst doch jede(n) haben!“

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