Neulich auf Facebook: Hallo Ego!

Neulich ereilte mich eine Freundschaftsanfrage auf Facebook. Das passiert mir eher selten, weil mich niemand kennt. Nein, Scherz. Ich bin auf Facebook gar nicht unter meinem richtigen Namen angemeldet und darum bekomme ich höchstens Anfragen von Spinnern oder von Freunden von Freunden. Ihr kennt das ja. Jedenfalls erhielt ich kürzlich diese Freundschaftsanfrage.

Ich klickte zuerst mal auf ihr Profil, weil ich sehen wollte, wer das eigentlich sein soll. Ich will ja nicht Kreti und Pleti als Facebook-Freunde bezeichnen (ich merke gerade: Ich sollte dringend mal meine Freundesliste bearbeiten und drastisch um ein paar Kretis und Pletis kürzen). Jedenfalls tippte ich mit dem Finger auf das Profilbild, wechselte mit den Augen zwischen Profilbild und Namen, mein Gehirn arbeitete auf Hochtouren. Und da kam er! Der Gedanke! Ich kenne diese Person! Nein: Ich kannte diese Person. Vor siebzehn Jahren. Ja, ihr habt richtig gehört, vor siebzehn Jahren gingen waren wir in die selbe Klasse. Ich war beim Anblick ihres Profilbildes – gelinde gesagt – geschockt. Ich klickte mich durch alle ihre Fotos und kam aus dem Stauen nicht raus. Mein Gott, dachte ich, ist es möglich, dass diese Person gleich alt ist wie ich? (Ja) Wie, um Himmels Willen ist es möglich, dachte ich, mit Anfang Dreissig auszusehen, als hätte man täglich bei McDonnalds gefressen, sich nie bewegt, nie einen Coiffeur von innen gesehen und als hätte man sich nur bei Vögele eingekleidet? Ich war wirklich geschockt. Ich bin es heute noch. Immer, wenn sie ein neues Foto hoch lädt, schaue ich es mir an und mir gehen wieder die gleichen Fragen durch den Kopf.

Ja, ihr denkt jetzt, wie oberflächlich! Ja, ist es. Ich habe in diesem Beitrag auch nicht den Anspruch, einen philosophischen Text zu schreiben (auch wenn der eine oder andere daran zweifeln mag). Das ist das Leben. Menschen verändern sich; manche äusserlich zum Positiven (die wenigsten), manche zum Negativen; andere halten die Stange. Ich versuche, die Stange zu halten.

Nun sind wir befreundet und ich fühle ich zuweilen als Voyeuristin, wenn ich mir ihre Fotos anschaue. Ich gaffe, weil ich nicht fassen kann, was die letzten fünfzehn Jahre aus ihr gemacht haben. Hey, aber sie sieht irgendwie zufrieden aus. Und so gesehen: Bewundernswert! Ich weiss, ich bin in diesen Dingen manchmal sehr oberflächlich. Aber mir ist es nun mal wichtig, nicht wie eine Schreckschraube herumzulaufen. Es ist mir wichtig, mich gesund zu ernähren, einen einigermassen gesunden, aber genussvollen, Lebensstil zu pflegen, Sport zu treiben, in Bewegung zu sein – physisch wie psychisch.

Ich würde sie gerne, wenn ich sie auf der Strasse treffen würde, in einen coolen Kleiderladen schleppen; ihr verbieten, jemals wieder Oma-Kleider und Oma-Schuhe zu kaufen; ich würde sie gerne zum Coiffeur bringen und bei der Beratung dabei sein. Ich würde ihr gerne sagen: Mädchen, du bist doch noch jung! Mach etwas aus deinem Leben! Lass dich doch nicht so gehen. Resignation ist der erste Schritt in ein unglückliches Leben. Stattdessen tue ich nichts. Jeder ist schlussendlich für sich selbst verantwortlich. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Oder Schmiedin.

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