Gab es ein Leben ohne Smartphone?

Neulich ging mein neues iPhone kaputt, nachdem ich es zwei Monate gebraucht hatte. So weit, einigermassen so gut. Ich brachte es zur Reparatur und erhielt ein Android oder wie die Dinger heissen: So ein schwarzes Wanna-be-a-smartphone. Die sehen doch alle gleich aus – alle nicht iPhones sehen meiner Meinung nach gleich aus. Ich war am Boden zerstört.

Ich musste alles neu installieren, mich überall wieder anmelden, konnte nicht einfach ein anderes iPhone an mein MacBook Air anschliessen und alles synchronisieren. Ich fühlte mich, als ich mein iPhone abgab, als hätte man mir ein Organ herausgenommen. Herausgerissen, um genau zu sein, und zwar ohne Narkose. Und nun trage ich dieses schwarze Was-auch-immer mit mir herum, kann kaum tippen bzw. vertippe mich ständig und werde fast wahnsinnig, weil das Öffnen von Apps ewig lange dauert. Meine ganzen Termine, die ich im Kalender hatte, sind weg. Und die Kontakte auch. Wobei ich das weniger tragisch finde – jetzt kann ich mal sehen, wer sich von sich aus bei mir meldet. Gar nicht so schlecht irgendwie. Jedenfalls fühle ich mich minderwertig mit dem Ding. Ich schäme mich zuweilen ein bisschen, wenn ich es hervorhole. Aber damit kann ich leben. Ich kann nur schlecht damit leben, dass es so langsam ist und unhandlich. Und dass ich keine Nachrichten tippen kann und das, obwohl meine Finger nicht dick sind.

Also fragte ich mich: Gab es ein Leben ohne Smartphone? Ich erinnere mich nicht genau an das Jahr, als ich mein erstes Smartphone kaufte. Aber es muss ungefähr 2007 oder 2008 gewesen sein – also sagen wir, vor ungefähr zehn Jahren. Damals war es eine Sensation: Apple revolutionierte die ganze Technik. Eigentlich die ganze Welt. Ich sprang nicht sofort auf diesen Hype-Zug, denn ich bin meist etwas skeptisch und lasse lieber andere probieren. Aber ich wurde schnell von den Vorzügen und Vorteilen des iPhones überzeugt und kaufte mir, damals als Studentin, ein iPhone. Vermutlich die zweite Generation, aber ich weiss es nicht mehr genau. Seitdem bin ich treue Apple-Kundin: iPhone, MacBook, iMac, iPod, zeitweise iPad. Ich hatte nie ein anderes Smartphone als das iPhone und ich würde mir auch nie ein anderes kaufen – jetzt umso weniger, da ich weiss, wie katastrophal andere Smartphones sind.

Mein iPhone fehlt mir und das macht mich nachdenklich. Wie ist es möglich, dass man sich so auf ein Gerät fixieren kann? Wie war das Leben denn davor? Ich meine, mein erstes Natel war das Nokia 3120 oder 3310, ich erinnere mich nicht, immerhin ist das sage und schreibe 18 Jahre her. Es war damals eine echte Sensation, so ein Ding (so einen Klotz!) mit sich herum zu tragen. Ich musste erst noch lernen, wie man SMS schreibt, aber schnell hatte Nokia die mobile Technik ebenfalls revolutioniert und immer mehr Menschen hatten ein Natel. Und so ging es eben weiter bis 2007, bis Apple die Welt revolutioniert.

Nein, ich wünschte mir nicht, dass die Smartphones nie erfunden worden wären. Aber ich wünschte mir, dass ich etwas gelassener mit meinem Ersatz-Natel umgehen könnte, dass es mich nicht so nerven würde, dass mein iPhone weg ist. Luxusprobleme, ich weiss. Mega-Luxusprobleme.

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