Hochzeiten stimmen mich immer nachdenklich

Da ich wohl im Alter bin, in dem die meisten Leute heiraten – wenn sie denn überhaupt heiraten –, werde ich immer wieder auf Hochzeiten eingeladen. Hochzeiten sind für mich immer eine paradoxe Geschichte.

Einerseits löst es in mir Emotionen aus, die schön sind. Ich freue mich für die beiden, die sich gefunden haben und nun den Bund fürs Leben schliessen möchten, die sich ewige Liebe versprechen und in diesem Moment fest davon überzeugt sind, diese aufrecht erhalten zu können. Oft bin ich emotional, um nicht zu sagen: sentimental. Es ist das tiefe Gefühl, den beiden dieses Glück der Liebe zu gönnen. Meistens füllen sich meine Augen mit Freudetränen und das ist, um ehrlich zu sein, ein schönes Gefühl, denn es zeigt mir auch, wie intensiv meine Verbindung zum Brautpaar ist.

Andererseits – und darum nannte ich es eingangs paradox – lösen Hochzeiten viele Fragen in mir aus. Wie ist es möglich, dass Menschen so überzeugt davon sind, einander ihr Leben lang lieben zu können? Wie ist es möglich, dass Menschen sich füreinander entscheiden und den Bund der Ehe, im Idealfall ihr Leben lang, eingehen wollen? Ich kann nur für mich sprechen. Ich konnte mir das nie vorstellen – konnte mir nie vorstellen, so sehr von einer Beziehung überzeugt zu sein, dass ich mich verpflichten wollte, diese mein Leben lang zu leben. Und jetzt sagt ihr vielleicht: Wieso verpflichten? Und da liegt möglicherweise auch mein Problem. Für mich bedeutet eine Ehe eben auch, eine Verpflichtung einzugehen (die Hochzeitsfans nennen es abgeschwächt gerne Versprechen). Ich glaube, wenn man das nicht so sieht, dann ist es sicher leichter, sich für die Ehe zu entscheiden. Aber wenn man die Ehe auch als eine Verpflichtung sieht, dann ist es eben ziemlich schwierig, dieses Konstrukt Ehe einzugehen. Und ihr denkt euch vielleicht auch: Wieso denn ein Leben lang? Tja, das ist vielleicht meine idealistische, romantische Vorstellung von Ehe. Würde ich heiraten, dann nur, wenn ich davon überzeugt wäre, diese Person mein Leben lang lieben zu können. Ich würde nicht heiraten mit dem Wissen, dass es noch einen Notausgang gibt. Ehe bedeutet für mich, sich eben zu verpflichten und zwar ein Leben lang.

Jetzt könnte man einwenden: Das ist doch bei Kindern nicht anders. Ja, da stimme ich euch zu. Dennoch sind Kinder für mich etwas ganz Anderes. Wieso, weiss ich nicht. Ich glaube, es ist uns angeboren, unsere Kinder unser Leben lang zu lieben, sie zu schätzen, sie grosszuziehen und sie dann auch wieder in die weite Welt gehen zu lassen. Bei einer Partnerschaft ist das anders, meine ich. Wie viele Beziehungen habe ich schon scheitern gesehen? Paare, von denen ich dachte, sie würden sich ewig lieben, trennen sich; Eheleute, die kürzlich geheiratet haben, lassen sich scheiden etc. Auch ich habe gescheiterte Beziehungen hinter mir.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s