Wenn der Chef zu dir sagt: Du solltest jetzt nach Hause gehen.

Manchmal kommt es mir vor, als laufe mir die Zeit bei der Arbeit davon. Aber nicht nur bei der Arbeit: Auch sonst läuft die Zeit verdammt schnell – schneller als früher. Oder empfinde ich die Zeit anders? Bei der Arbeit merke ich das aber am krassesten. Mittags denke ich: Was, schon Mittag? Und heute Morgen, als die Kollegen zur Kaffeepause in meine Etage antrabten, dachte ich, sie würden einfach so kurz einen Kaffee holen. Dass es schon Zeit für die Kaffeepause war, war mir entgangen. Aber der Blick auf die Uhr klärte mich auf.

Die Minuten, die Stunden vergehen und es ist nicht so, als hätte ich das Gefühl, nichts gemacht zu haben. Es ist nur so, dass ich mich oft so sehr in meiner Tätigkeit verliere, dass ich gar kein Zeitgefühl habe. Wirtschaftsmenschen würden sagen: Ich bin im Flow. Und das ist ein gutes Zeichen. Ich war noch nie bei der Arbeit so oft im Flow wie gerade.

Nach einem Aussentermin heute ging ich noch schnell ins Büro zurück. Ich hatte eigentlich die Wahl, heute kurz zu gehen und etwas zu holen, was ich vergessen hatte, was ich aber dringend für die morgige Tagung brauche. Die andere Variante wäre gewesen, morgen vor der Tagung kurz vorbei zu schauen. (Eine weitere Variante wäre natürlich gewesen, alles zu ignorieren und früh Feierband zu machen – und morgen auch nicht mehr hinzugehen) Da ich die Dinge aber immer möglichst zeitnah regle (und frühes Aufstehen nicht gerade zu meinen Lieblingstätigkeiten gehört), entschied ich mich für die erste Variante – und das, obwohl ich mich verabschiedet und erklärt hatte, ich würde erst übermorgen wieder erscheinen. Natürlich staunten meine Kollegen und meine Chefin nicht schlecht, als ich doch noch einmal ins Büro kam. Die vergessenen Unterlagen waren – um es schmeichelhaft auszudrücken –, eine Entschuldigung oder eine Rechtfertigung mir gegenüber, wenn man so will. Eigentlich dachte ich mir: Das ist gar nicht so schlecht, dass ich die Unterlagen habe liegen lassen, so kann ich gleich noch dieses und jenes erledigen und dann morgen mit einem guten Gewissen an die Tagung gehen. So gedacht, so getan.

Und nun geniesse ich meinen Feierabend.

Worüber ich aber eigentlich schreiben wollte: Irgendwann schaute meine Chefin zu mir rein – als sie nämlich gehen wollte –, und sagte: Du solltest jetzt auch nach Hause gehen. Und das hatte ich vor – und ich tat es auch. Ich hatte mir nämlich ein Zeitfenster von einer Stunde gegeben und mir genau vorgenommen, was ich in dieser Zeit erledigen wollte – und ich hatte es in dieser Zeit erledigt (plus noch etwas dazu).

Ja, solche Chefs sollte man haben. Arbeiten, fleissig sein und Pendenzen abarbeiten – das ist alles wunderbar. Die Arbeit gerne machen auch. Die Menschen, mit denen man arbeitet, schätzen. Aber irgendwann ist eben auch Schluss und dann geht man befriedigt und glücklich nach Hause und lässt die Arbeit bis morgen Arbeit sein.

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