Ich auf der Spur des Glücks

Das Glück beschäftigt mich schon seit langem. Und wenn ich darüber schreiben möchte, so muss ich zuerst definieren, was Glück ist. Aber ich möchte es einfach dabei belassen: Sprechen wir über das Glück, ohne es zu benennen. Denn für jeden bedeutet Glück etwas Anderes. Glück haben und glücklich sein sind auch verschiedene Paar Schuhe. Aber nehmen wir einfach das, was für jeden einzelnen von uns Glück und glücklich sein bedeutet. Vermutlich würde jeder beide Begriffe unterschiedlich beschreiben, deuten, ganz unterschiedliche Beispiele dafür machen. Hoffentlich Beispiele aus dem eigenen Leben…

Von aussen betrachtet, haben manche Menschen ganz schön viel Glück. Aber hat nicht jeder von uns ganz schön viel Glück? Müsste nicht jeder von uns glücklich sein? Wissen wir denn überhaupt, unser Glück zu fassen, ja zu schätzen? Sind wir dankbar dafür oder nehmen wir es als selbstverständlich hin? Und empfinden manche Menschen das Glück intensiver, sind dankbarer dafür, als andere?

So viele Fragen. Glück kann alles sein. Die Tatsache, dass es am heutigen Herbstabend draussen schon dunkel ist und ich auf einem gemütlichen Sofa sitze, dass es warm ist und ich Licht habe. Das ist, wenn wir das mal global vergleichen, wohl mehr Glück als sehr viele andere Menschen haben. Aber ist das Glück? Macht mich das, was ich gerade beschrieben habe, glücklich? Ja, das tut es. Und es weckt eine Dankbarkeit in mir. Klar kann man es übertreiben, denkt ihr. Kann man. Aber ich glaube, es lohnt sich durchaus, sich des kleinen Glücks bewusst zu sein.

Nicht so ein kleines Glück, aber dennoch oft in Vergessenheit geraten, ist die Gesundheit. Stellt euch mal vor, wie elend es euch geht, wenn ihr an einer Magen-Darm-Grippe erkrankt und nicht einmal die nötigsten Dinge mehr verrichten könnt. Alles schmerzt, man ist kraftlos, lustlos, kann sich nicht konzentrieren. Welch Glück, dass wir zum Arzt oder in die Apotheke gehen können und die optimalen Medikamente bekommen, die unseren Körper wieder auf Vordermann bringen. Und welch Glück – gesund zu sein! In diesen Momenten wird uns bewusst, was wir haben, wenn wir gesund sind. Wir wissen dann zwar immer noch nicht, wie es wäre, wenn wir ernsthaft erkranken würden, dennoch fällt es uns leichter, für unsere Gesundheit dankbar zu sein und uns glücklich zu schätzen.

Und wir alle haben noch viel mehr Glück in unseren Leben. Wir dürfen uns glücklich schätzen, an einem Ort zu leben, wo Freiheit, (mehr oder weniger) Gleichberechtigung, Demokratie (auch wenn sie manchmal nervt, aber alles andere wäre noch nerviger), Selbstbestimmung, Bildung für alle, Frieden etc. herrschen. Sind wir uns dessen tagtäglich bewusst? Klar nerven wir uns über Abstimmungen (so viele und dann auch noch verkehrte Resultate), wir nerven uns über Politiker (wie kann es sein, dass immer die falschen gewählt werden? Was ist das für ein Volk?), wir nerven uns über die direkte Demokratie (dass wir uns schon wieder mit den Kandidaten befassen und uns entscheiden müssen), wir nerven uns auch über die vermeintliche Gleichberechtigung (Stichworte gleicher Lohn, Vaterschaftsurlaub, Militärpflicht, Rentenalter etc.). Wir sind nicht mit allem einverstanden, wir heissen nicht alles gut. Perfekt ist kein Land, das ist klar. Und dennoch: Wir haben mehr Demokratie als in den meisten anderen Ländern (auch wenn es uns manchmal zu viel ist), wir dürfen mehr mitbestimmen als die meisten anderen Völker (auch wenn wir manchmal vielleicht gerne weniger bestimmen würden oder etwas Anderes), wir sind frei, zu tun, was wir möchten (in den gesetzlichen Schranken natürlich), wir können wählen, wen wir wollen, wir können arbeiten, was wir wollen, wir können wohnen, wo wir wollen. Wenn wir das alles in einen Mixer täten, so käme dabei wohl ein grosses, vierblättriges Kleeblatt heraus.

Ich wünschte, mehr Menschen könnten dafür dankbar sein – dankbar, für das Selbstverständliche, für das, was wir nicht anders kennen, aber was im Grunde mit all seinen Ecken und Kanten und Vor- und Nachteilen eben gut ist, gut genug, um sich glücklich zu schätzen.

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