Der Egoismus des Altruismus

Ich möchte euch über eine Erfahrung, die ich neulich gemacht habe, erzählen. Ich würde sagen, dass ich grundsätzlich ein hilfsbereiter Mensch bin. Das heisst nicht, dass ich die Probleme anderer Menschen lösen will oder kann, aber es heisst, dass mich die Dinge bewegen, dass mich Schicksale empathisch machen und ich mir dessen, was ich habe, durchaus bewusst bin. Ich bin mir meines Glückes bewusst, des Privilegs in meinem Leben – der Tatsache, dass ich hier geboren wurde und aufgewachsen bin, der Tatsache, dass mir die Bildung zu Füssen lag und ich sie aufgesaugt habe wie ein Schwamm, der Tatsache, dass ich, obwohl es so nicht stimmt, das Gefühl habe, mit einem goldenen Löffel im Mund auf die Welt gekommen zu sein. Mir ist bewusst, wer ich bin und was ich bin, bin ich, weil ich in meinem Leben viele Privilegien hatte, die Menschen in anderen Ländern nicht haben: Ich wuchs relativ beschützt in einem friedlichen Land auf, in dem Bildung zur Selbstverständlichkeit gehört und kostenlos ist. Alles, was es braucht, ist ein bisschen Ehrgeiz und eine Portion Fleiss. Und ich hatte das grosse Glück, dass Menschen an mich geglaubt haben und an mich glauben, dass sie mich deshalb gefördert haben und fördern, dass ich – trotz einigen schwierigen Momenten in meinem Leben – ein gesundes Umfeld hatte. Weiterlesen

Man sollte immer verliebt sein. Das ist der Grund, warum man nie heiraten sollte. (Oscar Wilde, 1893)

Kürzlich stolperte ich lesend über das obige Zitat, welches ich mir für den Titel dieses Beitrags von Oscar Wilde – Gott habe ihn selig – ausgeliehen habe. Oscar Wilde habe ich schon einige Male in meinen Beiträgen erwähnt, denn ich finde seine Aussagen und seine Liebesbriefe höchst intelligent und zugleich ergreifend. Er versteht es perfekt, Nähe und Distanz zu verbinden und seine Texte haben eine Wirkung wie ein Wolkenmeer, wenn ich im Flugzeug sitze. Weiterlesen

Manager, Führungskraft und Experte: Karrieren-Besessenheit eines Taugenichts

Manchmal habe ich das Gefühl, dass um mich herum alle irgendetwas oder jemanden führen, leiten, Vorgesetzte sind und auf der Überholspur Karriere machen. Geht es euch manchmal auch so? Schaut man sich mal bei den Networking-Portalen um, merkt man schnell: Jeder ist ein Chef – ein aufgeblasener kleiner oder auch ein bescheidener grosser, aber irgendwie ist heute praktisch jeder Chef. Jeder führt Mitarbeitergespräche, leitet Abteilungen oder ganze Firmen, jeder hat irgendwie irgendetwas zu sagen, zu entscheiden, trägt mehr oder weniger Verantwortung. Weiterlesen

Der Reiz des Unbekannten: Wieso will man eigentlich immer das, was man nicht hat?

Manchmal ist man völlig eingefahren und will etwas unbedingt. Und es ist möglich, dass man das jahrelang will und darauf hinarbeitet, bis man es hat. Und wenn man es hat, ist man eine Zeit lang zufrieden (und vielleicht sogar glücklich), bis man etwas Neues entdeckt, was einen dann reizt und was man dann unbedingt haben will. Nur manchmal kann man nicht alles haben (eigentlich meistens) und dann kommt das Dilemma: Lässt man etwas sausen, was man sich so lange ersehnt und gewünscht hat, nur um etwas Neues zu haben, von dem man allerdings gar nicht weiss, ob es einem denn gefallen würde, wenn man es hätte? Oder besinnt man sich vernünftigerweise darauf, was man endlich erreicht hat und gibt sich damit zufrieden? Weiterlesen

Gab es ein Leben ohne Smartphone?

Neulich ging mein neues iPhone kaputt, nachdem ich es zwei Monate gebraucht hatte. So weit, einigermassen so gut. Ich brachte es zur Reparatur und erhielt ein Android oder wie die Dinger heissen: So ein schwarzes Wanna-be-a-smartphone. Die sehen doch alle gleich aus – alle nicht iPhones sehen meiner Meinung nach gleich aus. Ich war am Boden zerstört. Weiterlesen

Worüber wir nicht reden: Suizid.

Die Einleitung sollte ursprünglich so aussehen: Aus aktuellem Anlass habe ich mich entschieden, über das Thema Suizid zu schreiben. Dann dachte ich aber: Der Anlass ist nicht so aktuell. Das Thema ist zwar omnipräsent, aber mein persönlicher Anlass liegt schon eine ganze Weile zurück und jährt sich. Um genau zu sein heute – heute zum zwölften Mal. Und vielleicht ist er deshalb eben auch immer aktuell, weil er für mich eine bedeutende Rolle in meinem Leben spielt. Spielte. Und wahrscheinlich immer noch spielt. Denn er hat Narben hinterlassen. Weiterlesen